Kul­tu­rel­len Unter­schie­de machen sich an Spra­che fest. Man muss nicht alles geschlechts­neu­tral for­mu­lie­ren. Aber: Das ist ein Zei­chen dafür, wie wir den­ken.

Der Begriff des »mis­sio­na­ri­schen« rich­tet sich auf zwei­er­lei:

  1. auf die Fra­ge, ob’s Gegen­über in den Him­mel kommt und
  2. auf mein Tun, damit das ein­tre­ten möge.

Mis­sio­na­risch, das klingt müh­sam und bemüht. Uns bleibt ja kei­ne Wahl, wenn wir die ande­ren ret­ten wol­len. Wir müs­sen die­ses oder jenes tun. Alles hängt an uns.

Was mir aus der Fresh Expres­si­ons-Bewe­gung sym­pa­thisch ist, das ist unter ande­rem der Begriff des »mis­sio­na­len« Han­delns. Damit ist gemeint, dass Mis­si­on in jedem Fall ein Tun Got­tes ist. Er sen­det, er schickt die Men­schen und vor allem sei­nen Geist, ohne den gar nichts geht an Heils­han­deln.

Ein mis­sio­na­lermis­sio­na­ler Lebens­stil ist eher natür­lich und authen­tisch als bemüht. Es geht um das, was heu­te dran ist. Gesand­te sind wir jeder­zeit. Beim Ein­kauf an der Super­markt­kas­se glei­cher­ma­ßen wie im Got­tes­dienst, in der Fami­lie eben­so wie bei der Arbeit oder dann, wenn wir die Steu­er­erklä­rung vor­be­rei­ten.

Es geht weni­ger dar­um, dass ich den ande­ren ret­ten muss, das klingt anma­ßend und ver­mes­sen. Viel­mehr darf ich mit­wir­ken an Got­tes Plan für sei­ne Welt und sei­ne Men­schen.

Das mis­sio­na­le Tun beschreibt und bezieht sich auf mei­ne Nach­fol­ge, inso­fern aufs Dies­seits. Dass es ande­ren dient, set­ze ich vor­aus.

Eini­ge in der Fresh Expres­si­ons Bewe­gung den­ken vom Begriff des mis­sio­na­len Han­delns vie­le The­men klas­si­scher Dog­ma­tik und Ethik neu. Wie bei wis­sen­schaft­li­cher Beschäf­ti­gung mit etwas üblich: Das kann vor tra­gi­schen Feh­lern bewah­ren, aber es ist eher eine Meta-Hand­lung, liegt daher auf der nächst höhe­ren Ebe­ne. Das ist mit­un­ter erfor­der­lich, aber es ist nicht das Eigent­li­che.

Sym­pa­thisch fin­de ich, dass die, die lie­ber mis­sio­nal als mis­sio­na­risch schrei­ben und das im oben genann­ten Sinn mei­nen, beto­nen, dass alle Mis­si­on »Mis­sio Dei«, Sen­dung Got­tes ist. Er ist es, der sen­det. Hier, heu­te, jetzt.

Mir fällt der alte Diplo­ma­ten-Witz ein: Beim Begleit­pro­gramm spre­chen Diplo­ma­ten-Gat­tin­nen über die Schwie­rig­kei­ten der deut­schen Spra­che. Eine sagt: »Für alles mög­li­che gibt es meh­re­re Begrif­fe, die das glei­che bedeu­ten.« Sie nennt »schi­cken« und »sen­den« als Bei­spie­le. – Eine ande­re kon­tert: »Naja, so ganz das sel­be bedeu­ten die Begrif­fe nicht. Ihr Mann, zum Bei­spiel, ist zwar ein Gesand­ter, aber kein geschick­ter.« – Ob die ers­te das gleich ver­stan­den hat oder sich spä­ter hat erklä­ren las­sen müs­sen, weiß ich nicht. Jeden­falls gehe ich davon aus, dass Nach­fol­ge die Sen­dung ein­schließt.

In vie­len klas­si­schen Gemein­de­for­men dreht sich das meis­te um die, die da sind. Klar, denn die könn­ten weg­blei­ben. Die könn­ten an den Kir­chen­vor­stand oder an die Super­in­ten­den­tin einen Brief mit Beschwer­den schrei­ben.

Mis­sio­nal bedeu­tet, dass es sich um die ande­ren dre­hen muss! Dass es unmög­lich ist, die, die feh­len, nicht als Man­gel zu emp­fin­den. Aber nicht, weil es um Sti­che auf der mis­sio­na­ri­schen Abschuss­lis­te geht, son­dern weil die Men­schen Gott wich­tig sind – und daher mir und uns.

Es bleibt dabei: Mis­si­on ist mis­sio dei – und Nach­fol­ge ist nicht weni­ger als es mehr und mehr eben­so zu sehen wie Gott.