Nachfolge postmodern https://www.nachfolge-postmodern.de Ein Blog für Christenmenschen in mehrdeutigen Zeiten. Thu, 19 Nov 2020 13:38:00 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.5.3 https://www.nachfolge-postmodern.de/wp-content/uploads/2020/06/cropped-14577138727_d76dcbc2a3_o-32x32.jpg Nachfolge postmodern https://www.nachfolge-postmodern.de 32 32 165045550 Feindbild Postmoderne https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/19/feindbild-postmoderne/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/19/feindbild-postmoderne/#respond Thu, 19 Nov 2020 13:37:32 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=553 Aus wenigstens zwei Richtungen gibt es grundsätzlich Kritik am Begriff der »Postmoderne«: Die einen (»Vormodernen«) lehnen schon die Moderne ab, die anderen finden es übertrieben, schon wieder eine neue Epoche auszurufen (»Modernen«). Beide Ansätze begegnen mir öfters. Und doch: Ich möchte am Begriff und vor allem am Denkmodell festhalten. Ob wir das, was ich meine, […]

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Aus wenigstens zwei Richtungen gibt es grundsätzlich Kritik am Begriff der »Postmoderne«: Die einen (»Vormodernen«) lehnen schon die Moderne ab, die anderen finden es übertrieben, schon wieder eine neue Epoche auszurufen (»Modernen«).

Beide Ansätze begegnen mir öfters. Und doch: Ich möchte am Begriff und vor allem am Denkmodell festhalten. Ob wir das, was ich meine, dann hinterher mit einem anderen Begriff belegen, darüber kann man reden.

Evangelikal?

Die Kritik, die ich höre, kommt vor allem aus der frommen Ecke. Klassisch evangelikal kann man ja sagen, dass »evangelikal« bedeute,

  • die Jesus-Frömmigkeit (stark christozentrisch) zu betonen,
  • Bekehrung (also persönliche Hinwendung zum Glauben) hochzuhalten,
  • sich in die Welt geschickt zu wissen, soziales Engagement, Mission, Evangelisation,
  • die Bibelfrömmigkeit zu betonen

(so die Definition des Bebbington Quadrilaterals für »Evangelikalismus«) (vgl. https://en.wikipedia.org/wiki/David_W._Bebbington)

Die Erweckungsbewegung wird bis ins 17. (Puritanismus, Quäker, …) und 18. Jahrhundert (etwa »Great Awakening«) als Vorgeschichte und Vorläufer der evangelikalen Bewegung gedacht.

Umbruch in den 1960er Jahren

Mit dem Wirken der großen evangelistischen Versammlungen und Veranstaltungen in den 1950er und 60er Jahren (Billy Graham usw.) auch hierzulande kommt es zeitgleich in der Geistes- und Philosophiegeschichte zu einer massiven Hinwendung zur Sprachphilosophie (vor allem im Vereinigten Königreich und Osteuropa), zur Analytischen Philosophie (in den USA) und zur Betonung von Semantik und Semiotik, also auch wieder einem Blick auf die Sprache aus Mittel des Denkens in der französischen (etwa Michel Foucault, Derrida usw.) und italienischen Philosophie (etwa Umberto Eco usw.)

In den 1960er Jahren entstanden Kulturkämpfe zwischen den konservativ denkenden, den Studierenden-Unruhen (eher progressiv), aber auch zwischen christlich-traditionell (Gemeinde über Zugehörigkeit definiert) und christlich-progressiv (etwa Pfingstkirchen und charismatische Aufbrüche, aber auch nicht-konfessionelle Gemeinden… ) Kurz: Der mutmaßliche Schmelztiegel der Kulturen zeigt sich eher als Salatschüssel, weil eben nicht alles verschmolzen ist, sondern vielmehr gemischt nebeneinander besteht. vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Schmelztiegel

vormodern und modern

Die einen denken vormodern und möchten gerne eine traditionelle Sexual- und Familienmoral hochhalten (»kein Sex vor der Ehe«). Die anderen betonen, dass wir in der Moderne leben, stellen fest, dass zur Zeit des Neuen Testaments die Zwangsverheiratung mit etwa 13 Jahren (für Mädchen) und ca. 16 Jahren (für Jungen) üblich war. — Da stellten sich bestimmte Fragen also nicht; auch etwa die Frage nach der eigenen geschlechtlichen Orientierung. Wenn aber die Ausbildungszeiten immer länger werden, und viele erst mit um die dreißig Jahre an Familiengründung denken, liegen die Dinge anders. — Wer es anders will, der muss eben auch zur (vormodernen) Frühverheiratung zurück.

Den einen ist die Moderne schon ein Dorn im Auge mit den vielen Einzelnen, die je ihr Ding machen und ihre eigenen Entscheidungen treffen möchten. — Die anderen finden, dass es zunächst erforderlich sei, die rückständigen anderen zumindest in die Moderne zu holen, denn die eigentlichen und praktischen Probleme beständen, wie sie finden, zwischen einem vormodernen und einem modernen Denken.

Solche Fürsprecher finden also eher, dass wir in einer noch immer modernen Phase lebten, ihnen ist die Entwicklung des Individuums, die Entscheidung der Einzelnen (für den Glauben, für Partnerschaft usw.) wichtig. So weit so gut.

Realismus?

In der so beschriebenen »modernen« Welt könne eben nicht vorausgesetzt werden, dass jemand, weil er oder sie getauft wurde, Christ ist (oder bleibt). Sie betonen insofern die Freiheiten, die Bürgerlichkeit und denken somit sehr von den Einzelnen her. Das ist mir im Grunde sympathisch. — Hier aber wird auch noch so etwas unterstellt, teils immanent, teils explizit, wie ein Realismus in dem Sinne, dass es so etwas wie Einzelne, Konflikte, Rohstoffe, demokratische Prozesse gäbe. Im Sinne von »objektiven Tatsachen«. Und die bildeten wir mit unserem Sprechen über die Sachverhalte und die Dinge der Welt mehr oder weniger zutreffend in unseren Sätzen ab.

Und hier widerspreche ich entschieden. Ich halte die Behauptung nicht einmal für sicher unzutreffend, dass es so sein kann. Aber: Wir denken im Medium der Sprache. Der Übergang von den Sachverhalten zu den Sätzen ist mit allerlei Tücken behaftet, die nicht einfach so übergangen werden sollten. Letztlich aber leben wir nicht allein in unterschiedlichen Welten, wir denken auch in je unseren Sprachen, die geprägt sind durch unsere Kultur. (Siehe Postmoderne und Kulturalismus)

in der Praxis kein Problem — mit Vormodernen wie mit Modernen

Insofern sehe ich einen wesentlichen Unterschied zwischen meiner eigenen Position und der von anderen, die uns als in der Moderne denken. Dieser ist kategorisch und ähnlich groß wie der zwischen vormodernen Denkenden und mir. In der Praxis lebe ich ja nicht als Ehebrecher oder so. Im »Lebensvollzug« finden auch Vormoderne kaum etwas, worin ich ihre Vorstellungen nicht erfüllte. — Im Denken ist es aber ein gewaltiger Unterschied, denn ich billige anderen zu, anders zu glauben und auch zu leben als ich das tue. — Und damit haben viele Vormoderne ein großes Problem. Einige stoßen sich daran, dass ich gerne Gemeinschaft habe mit Muslim, froh bin, wenn wir viele Gemeinsamkeiten in unseren jeweiligen Glaubens- und Lebensweisen entdecken.

Weil ich aber auch Glauben (wie Denken und Sprechen) als Kulturphänomene ansehe, kann ich gut damit umgehen. Und insofern muss ich leider drauf beharren, weiterhin für Vormoderne und Moderne ein Feindbild in meinem postmodernen Denken abzugeben. — Glücklicherweise merken das nicht alle.

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Kaum kann man die Wirkung des Buchdrucks auf die Reformation überschätzen. Publizistik und Buchdruck sind gerade aus den evangelischen Kirchen nicht wegzudenken. Auch später: Erweckungen sind kaum ohne  Traktate und Verteilschriften denkbar.

Reformation und Buchdruck

Insofern sind seit fünfhundert Jahren geschmuggelte Bücher ein Weg, das Evangelium zu den Menschen zu bringen, ob unter Maria Stuart oder hinter den (glücklicherweise inzwischen gefallenen) eisernen Vorhang.

Die Methoden und die Inhalte bedingen einander: Christliche Literatur, Büchertische in Gemeinden und die Verteilschriften und Traktate sind eine Form. — Diese Form trägt jedoch stets die Spuren der Zeit in sich. Im wissenschaftlichen Bereich gab es die großen Editionen: Weimarer Lutherausgabe, die Sammlungen der Kirchenväter bei Migne usw. — Alles Folgen des Buchdrucks, ohne diesen nicht denkbar.

In Emden hatte ich vor zwei Jahren etwas Zeit und so ging ich in den CVJM-Bücherkeller. Dort waren christliche und weltliche Bücher aus Spenden aufgereiht zum Verkauf. Gut sortiert, als Kinderbücher, Jugendbücher, Romane und Sachbücher, darin je nach Themen sortiert. Auch eine Abteilung mit christlicher Literatur war vorhanden. Dass solche Bücher und Schriften aber ein gewisses Verfallsdatum in sich tragen, ist kaum zu übersehen. Die wenigsten Bücher haben überzeitliche Gültigkeit und landen irgendwann in der Reclam Universalbibliothek. Das gilt nicht bloß für die »Arbeits- und Urlaubsrechte von 1984«, es gilt auch für Pfarrer Wilhelm Busch oder »Das Kreuz und die Messerhelden«. Klar, man kann so etwas auch heute noch lesen, aber es ist doch aus der Zeit und aus der Sprache gefallen. So glaubt man nicht, und vor allem spricht man so nicht vom Glauben. Gerade jüngere Leute merken das überaus deutlich, sollten sie so einen Titel in die Hand nehmen.

Internet als Kerninnovation wie seinerzeit der Buchdruck

Das Internet halte ich für eine Kerninnovation wie es der Buchdruck vor fünfhundert Jahren war: Entsprechend folgen neue Formen, neue Inhalte, neue Methoden des Erzählens. — Und so wie der Buchdruck die Verbreitung nachgefragter Inhalte oder Gedanken drastisch beschleunigte und vor allem verbilligte (im Vergleich zu handgeschriebenen Büchern), so erlaubt für Gemeinden, christliche Gruppen und Kreise die Technik neue Wege. Wir können uns zu einem Hauskreis treffen, und das sogar über Ländergrenzen hinweg per Videokonferenz. Wir können Gottesdienste aus unterschiedlichen Gemeinden verfolgen, live und fast in Echtzeit gestreamt oder zeitversetzt als Aufzeichnung.

Der Austausch und die Transparenz steigen, und wie bei allen Medien geht es nicht ums Medium an sich, wohl aber um die Formen und die Inhalte unserer Kommunikation. Denn die Formen bestimmen auch die Inhalte.

Wer den Briefwechsel zwischen Augustin und Hieronymus studiert (schon lange her), der oder die kommt nicht umhin, sich mit Epistologie (also der Wissenschaft von Briefen) zu befassen. Dass bestimmte Gegenstände immer wieder den Dialog prägen (lange ausbleibende Antwort etc.), dass Punkte, die einer angesprochen hat, vom anderen unbeantwortet bleiben usw. Diese durch das Medium bestimmten Momente befördern auch die emotionale Lage der Konversation: Die Freude über die Antwort, die Enttäuschung über ausbleibende Stellungnahmen usw.

Medienübergänge…

Wer aber versucht, einen heutigen Gottesdienst einfach so von einem Medium (etwa live) direkt in ein anderes zu übersetzen, der trägt ein hohes Risiko des Scheiterns: Man braucht z.B. zur Einstimmung und für den großen Sakralraum eine gewissen Ruhe und Langsamkeit, allein des Halls und der Raumakustik wegen. — Das aber erschließt sich im Video-Stream auf sehr begrenzter Auflösung eher nicht. Ein »abgefilmter« Live-Gottesdienst (womöglich mit halliger Raumakustik) wirkt am Monitor völlig anders und eher behäbig.

Ein Live-Gottesdienst andererseits kann kaum (ohne hektisch zu wirken) für Video konzipiert werden. — Und: Wo sind die Gemeinden, die alles quasi doppelt oder dreifach machen können? So viel Zeit und Mitarbeitende hat ja niemand.

Die Form des Hörspiels etwa hat sich in der Mitte des letzten Jahrhunderts zu einer erstaunlichen Höhe des Erzählens entwickelt. Ich denke an die Radio-Straßenfeger und an Autorenhörspiele wie Heinrich Bölls »Dr. Murkes gesammeltes Schweigen«. So erzählt man nicht fürs Theater. Auch nicht für einen Fernsehkrimi.

In der frommen Welt aber ist derzeit die Wahrnehmung des Internets und seiner Möglichkeiten bei vielen kaum mehr als ein Werbe- und Ankündigungsmedium. Dies gilt für den deutschsprachigen Raum in besonderer Weise, weil hier viele Gemeinden kaum einem Konkurrenzdruck ausgesetzt sich sehen. Sie müssen also nicht alle Wege zu den Menschen nutzen, sondern geben sich vielfach damit zufrieden, die Kräfte auf den Sonntagsgottesdienst (oder bei Adventsgemeinden den Sabbat) zu fokussieren.

1 h Gottesdienst, 167 h ohne

Allein: Der Gottesdienst füllt eine Stunde pro Woche aus. — Es bleiben also 167 Stunden ohne Gottesdienst übrig. Das Problem ist nicht, einen guten Gottesdienst von einer Stunde zu gestalten, sondern es besteht darin, dass 167 Stunden leer bleiben.

Wer heute ein Buch bestellen möchte, tut das im Internet auch um zwei Uhr in der Nacht, wenn man schlaflos ist. — Warum gibt es dann kein Angebot eines Alphakurse oder eines begleiteten Bibellesens? Warum haben wir so wenige solcher Angebote in den Internetauftritten unserer Gemeinden? — Mir erscheint es als ein vernachlässigtes Arbeitsfeld für Gemeinden und für Nachfolger/innen Christi. Liebe Leserin, lieber Leser, denken Sie doch einmal darüber nach, ob da nicht dran ist, etwas zu ändern.

Vielleicht ist es möglich, ohne die Präsenzgottesdienste zu vernachlässigen oder verkommen zu lassen, liebevolle weitere Angebote, vielleicht ja auch als »umgearbeitete Zweitverwertung«, online anzubieten. — Und bitte so, dass alles auf möglichst allen Endgeräten, vom Handy bis zum hochauflösenden Monitor, gleichermaßen gut funktioniert.

In den wissenschaftlichen Bereichen ist es ein Segen, dass ich auf dem Smartphone den griechischen und lateinischen Text »mal eben« verfügbar habe. — Und die »Texte zur Umwelt des Alten Testaments — TUAT« sind glücklicherweise als digitale Edition erschienen. Aufsätze und Forschungsergebnisse sind vielfach einfacher, schneller und günstiger einzusehen. Früher waren die gedruckten Ausgaben so teuer, dass man nur in Uni-Bibliotheken damit arbeiten konnte.

Evangelisation früher und heute

Früher sah Evangelisation oft so aus, dass man (nach Anmeldung bei den zuständigen Stellen) einen Tisch in die Fußgängerzone stellte, einige Bibeln und Verteilschriften auslegte, einen Aufsteller oder zwei mit ausgewogen provokanten Texten oder gar Bildern. Dazu vier bis fünf geschulte Kommunikator/inn/en. — Wenn ich so etwas sehe, schlage ich einen Bogen und derzeit bin ich über meine Mund-Nasen-Maske froh, so sieht niemand, wie meine Gesichtszüge entgleisen.

Gut gemeint, aber immer weniger passend finde ich diese Art und Weise, Leute mit dem Evangelium zu behelligen. Und dabei zugleich kein leicht erreichbares Angebot im Internet bereit zu halten, eines, dass die Menschen ernst nimmt und Lust auf mehr macht. — Oder bin ich hier zu kritisch? Wünsche ich mir zu viel?

Ich meine: Die Humanisten können das doch auch… — Das kann doch nicht so schwierig sein? Und: Bevor wir einen Facharzt aufsuchen bzw. einen Termin machen, sehen wir doch auch in die Internet-Bewertungs-Portale und bilden uns ein Urteil. — Wie erwarten wir dann, dass die Menschen »einfach so« in unsere Gruppen und Gottesdienste kommen? Kaum vorstellbar.

Statt dass wir uns aufdrängen mit unserer frohen Botschaft, die Menschen belästigen (wie Marktschreier in der Angebotsökonomie), leben wir in einer Nachfrage-Ökonomie. Wir sollten unser Angebot des Evangeliums machen, ohne zu behelligen: Im Internet und gut auffindbar via Suchmaschinen.

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Zehn persönliche Entscheidungen für das Gemeinwohl https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/12/zehn-persoenliche-entscheidungen-fuer-das-gemeinwohl/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/12/zehn-persoenliche-entscheidungen-fuer-das-gemeinwohl/#respond Thu, 12 Nov 2020 08:11:58 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=543 Diese Gedanken sind nicht meine. Ich fand sie neulich, als ich das Buch wieder einmal las, als Nachwort in Jim Wallis, »On God’s Side«, S. 297f. – Lediglich die Übersetzung geht auf mich zurück, und ich empfehle das gesamte Buch sehr zur Lektüre, weil sich Eigennutz und auch eine Vereinnahmung Gottes für allerlei Zwecke in […]

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Diese Gedanken sind nicht meine. Ich fand sie neulich, als ich das Buch wieder einmal las, als Nachwort in Jim Wallis, »On God’s Side«, S. 297f. – Lediglich die Übersetzung geht auf mich zurück, und ich empfehle das gesamte Buch sehr zur Lektüre, weil sich Eigennutz und auch eine Vereinnahmung Gottes für allerlei Zwecke in unserer Gesellschaft wie in der US-amerikanischen sehr breit machen.

Das Gemeinwohl und die Qualität unseres Zusammenlebens werden bestimmt durch die persönlichen Entscheidungen, die wir treffen. Die öffentlichen Orte (oder Allmende – original »commons«), die Orte, an denen wir als Nachbarn und Bürger zusammenkommen, um öffentliche Räume zu teilen, werden nie besser sein als die Art, wie das menschliche Leben ist, oder genauer das menschliche Wohlergehen in unseren jeweiligen Leben und Haushalten.

Hier sind zehn persönliche Entscheidungen, die du treffen kannst, das Gemeinwohl zu fördern:

  1. Wenn du Vater oder Mutter bist, mach dein(e) Kind(er) zur wichtigsten Priorität in deinem Leben und ordne alle anderen Verpflichtungen drum herum an. Wenn Du kein Elternteil bist, sieh, wo es Kinder gibt, die von deinem Einsatz in ihr Leben einen Nutzen haben.
  2. Wenn du verheiratet bist, sei deinem Partner treu. Zeig deine Bindung gleichermaßen durch deine Treue und Liebe. Wenn du Single bist, bewerte die Beziehungen nach ihrer Redlichkeit und nicht nach ihrer Nützlichkeit.
  3. Wenn du ein gläubiger Mensch bist, konzentriere dich nicht allein auf das, was du glaubst, sondern vor allem, wie darauf, wie du aus diesen Überzeugungen handelst. Wenn du Gott liebst, frag ihn, wie du deinen Nachbarn lieben sollst.
  4. Nimm den Ort, an dem du lebst, ernst. Mach die Lebenszusammenhänge in denen du lebst und arbeitest zu deiner Gemeinde, für die du verantwortlich bist.
  5. Strebe nach einer Berufung, nicht allein nach einer Karriere. Nimm deine Gaben als Kind Gottes wahr, nicht allein als deine Talente, und höre auf deine Berufung, statt nach Gelegenheiten zu schauen. Erinnere dich, dass dein Eigennutz und das Gemeinwohl immer in Beziehung stehen.
  6. Wähle, indem du unterscheidest zwischen deinen Wünschen und deinen Bedürfnissen. Wähle, was reicht, statt was du haben könntest. Ersetze Lust durch Werte, bring deinen Kindern dies bei und lebe es auch allen anderen vor, die in deinem Leben vorkommen.
  7. Sieh dir das Geschäft, die Firma oder das Geschäftsfeld, in dem du arbeitest, aus einer ethischen Perspektive an. Frag auch hier, welche Berufung, welchen Sinn es hat. Stell infrage, was unredlich oder ausbeuterisch ist, und hilf mit, dass dein Arbeitsplatz gut ist, indem du Gutes tust.
  8. Frag dich, was in der Welt dir heute das Herz am meisten bricht oder deinen Sinn für Gerechtigkeit am meisten widerspricht. Entscheide, mitzuhelfen, dies zu ändern und tu dich mit anderen zusammen, die sich vorgenommen haben, die Ungerechtigkeiten zu überwinden.
  9. Lern deine Abgeordneten kennen, auf lokalpolitischer und nationaler Ebene. Sieh dir ihre politischen Entscheidungen an und beurteile ihren moralischen Kompass und ihre öffentliche Amtsführung. Lass sie von deinen Maßstäben wissen, und mach sie für ihre Handlungen verantwortlich.
  10. Da der Unterschied zwischen einer Veranstaltung und einer Bewegung in der Hingabe (das ist die eigentliche Bedeutung von Religion und bewirkt gesellschaftlichen Wandel) besteht – frag dich selbst, was so wichtig ist, dass du dafür und darein dein Leben einsetzt.

Dein bester Beitrag für unsere Zukunft besteht darin, die integralen Beziehungen zwischen deinen eigenen Werten und dem Gemeinwohl zu finden. – Und das ist die große Hoffnung, die wir haben können, für ein besseres Leben miteinander.

 

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Lockdown als Chance zur Entschleunigung https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/09/lockdown-als-chance-zur-entschleunigung/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/09/lockdown-als-chance-zur-entschleunigung/#respond Mon, 09 Nov 2020 08:03:23 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=536 Gewöhnlich ist unser aller Alltag gut ausgefüllt. Termine, Verabredungen, … Vieles davon ist derzeit unmöglich bzw. fällt aus. Gruppen, Kreise, Vereine, Restaurantbesuch und Konzert: Sie alle finden nicht statt. Ich wünschte mir, dass es anders wäre. Sehe aber ein, dass es begründet so ist, wie es ist. Entweder ärgere ich mich nun drüber, schmolle, demonstriere […]

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Gewöhnlich ist unser aller Alltag gut ausgefüllt. Termine, Verabredungen, … Vieles davon ist derzeit unmöglich bzw. fällt aus. Gruppen, Kreise, Vereine, Restaurantbesuch und Konzert: Sie alle finden nicht statt.

Ich wünschte mir, dass es anders wäre. Sehe aber ein, dass es begründet so ist, wie es ist. Entweder ärgere ich mich nun drüber, schmolle, demonstriere vielleicht. — Mache ich nicht. Ich weiß, wie anstrengend und mühsam das ist. Oft auch frustrierend. Statt dessen bemühe ich mich, das Beste aus den Verhältnissen zu machen.

Ich plaudere hier einmal aus meinem Nähkästchen bzw. aus meiner Backstube.

Statt fertig lieber selbst gemacht

Im vollen Alltag kaufen wir alle vieles fertig. Etwa Kekse und Kuchen. Das ist deutlich teurer als selbstgemacht — es ist auch nur ein Drittel der Erfahrung. Wenn ich selbst backe, Kekse etwa, für Besuch. Ich rühre den Teig, eine außerordentlich sinnliche Erfahrung. Beim Backen duftet die Küche, ja die gesamte Wohnung. Dann die noch warmen Haferkekse zu essen: Vielleicht sind die gekauften gleichmäßiger geformt, vielleicht sogar ebenso gut. Aber: Sie sind nicht warm, sie sind nicht individuell. Und sie würden weniger Spaß machen.

Ich backe gern (koche und esse auch gern!), stelle aber fest, dass dafür etwas mehr Zeit ist, wenn der Alltag entschleunigt wird. Der Gugelhupf zum Wochenende: Ein Geschenk, das das (Er-)leben intensiviert. Nebenbei: Da kommt nur rein, was ich für erforderlich erachte. Wird schneller gegessen als der Stabilisator des Industrieprodukts wirken könnte.

Schreiben als Geschenk und Reflexion

Ein Ziel bei mir sind derzeit mindestens zwei Briefe pro Woche zu schreiben. E‑Mails sind schnell und praktisch, sicher. Aber: Der Grad an Reflexion in zwei bis vier Seiten Brief sind anders als in 12 oder 15 Zeilen E‑Mail. Auch die Freude, Briefe zu empfangen ist ganz etwas anderes als der Druck: »Oh, eine neue E‑Mail…« Das mit den mindestens zwei Briefen pro Woche habe ich gut geschafft in den letzten Wochen. Mein Trick: Ich schreibe morgens. Oft gehe ich jetzt (für meine Verhältnisse) früh schlafen. Entsprechend bin ich vor sechs Uhr früh am Schreibtisch und schaffe dann vor der Arbeit entweder einen Brief oder — auch sehr hilfreich für mich — ein gutes Stück Reflexion in mein Notizheft. Das Schreiben im Notizheft mit der Hand, bei den Briefen je nachdem… hilft mir, meinen eigenen Alltag, das, was ich lese oder höre, intensiv wahrzunehmen.

Hören und Lesen

Dudelfunk ertrage ich nicht. Fernsehen habe ich nicht, nutze aber die Mediatheken von ARD, ARTE usw. Relativ viel Radio höre ich, und da freue ich mich über manche Entdeckungen. Eine Stunde Interview mit einem Bienenforscher, den ich nicht kenne, und Bienen sind nun nicht mein Kerninteresse. — Trotzdem gut zu hören. Ich lerne etwas. Dank auch guter Fragen der vorbereiteten Journalisten. Auch musikalisch entdecke ich immer wieder etwas. Daher ist mir der Rundfunk unentbehrlich und kostbar. Daneben aber höre ich Podcasts. Worthaus, Frischetheke, MyCom usw. Auch deutlich speziellere Sachen. Aber: Wenn ich etwas höre, dann bewusst. Mit Notizheft und Stift.

Bücher von Jim Wallis

Es gibt einige Bücher, die ich wieder lese. Nicht dass der Lesestoff ausginge, aber: Immer wieder einmal blättere ich aus unterschiedlichen Gründen in Büchern, und dann komme ich ins Lesen. Lese mich fest. Abends lese ich, morgens schreibe ich.

Ora et Labora

Einige Zeit habe ich im Photolabor verbracht, mit dem Entwickeln von Filmen, mit dem Anfertigen von Kontaktabzügen. Neulich bekam ich ein wunderbares altes Gerät von einem Freund geschenkt, das ich putzen und installieren musste. Die analoge Arbeit im Dunkel des Labors bzw. beim monotonen Bewegen einer Film-Entwicklungsdose ist durchaus auch eine Zeit zum Beten. Insofern kann ich die antiken Mönche nachvollziehen, die diese Art von »Handarbeit« schätzten, weil sie sie nicht abhielt vom Gespräch mit Gott. — Das ist kein Modus für die digitale Bildbearbeitung — jedenfalls geht es mir so. Aber: Es ist einerseits ein konzentriertes Arbeiten und andererseits eine gute Zeit — auch geistlich.

Ruhe und Achtsamkeit

Als moderne Menschen rennen und laufen wir. Unsere Mobilität ist gefragt, immer schneller muss alles gehen. Neulich sah ich eine Werbung von Manufactum, diesem Handel für Produkte, die manchen Freude machen. Die werben mit »Es gibt sie noch, die guten Dinge…« — Klar, die wollen ja Dinge verkaufen. Mit etwas Ruhe kann ich sagen: Es gibt sie noch die guten Praxen, Kuchen zu backen, auf Film zu photographieren und diese anschließend zu entwickeln. Bücher zu lesen, gerne auch wieder zu lesen. Ein längeres Feature anzuhören oder einen Vortrag als Podcast oder im Radio.

Es gibt — davon bin ich überzeugt — in unserer modernen Zeit, ja in einer Zeit, in der es nicht mehr einen Entwurf gibt, der für alle passt, weshalb wir auch von der Postmoderne sprechen, die Möglichkeiten, von unserer Seite etwas für die Beziehung zu Gott zu tun. Früher sprach man von »geistlichen Übungen«. Alle diese Praxen beginnen mit der Ruhe und Achtsamkeit. Eben dafür haben wir im Lockdown bzw. einer Phase, in der viele äußere Ablenkungen wegfallen, die besten Ausgangsbedingungen.

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Warum Versöhnte versöhnen sollen… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/08/warum-versoehnte-versoehnen-sollen/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/08/warum-versoehnte-versoehnen-sollen/#respond Sun, 08 Nov 2020 06:39:55 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=527 Die Wellen schlagen in unserer immer mehr unmittelbaren Zeiten mit Berichterstattung per Twitter usw. schneller hoch: Die einen erregen sich, die anderen auch. Man streitet (oft anonym, aber vielfach auch bekannt) miteinander und um so mehr mit den unbekannten anderen. Das erleben wir bei allen Konflikten. Da sind die, die nach jedem Anschlag (und von […]

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Die Wellen schlagen in unserer immer mehr unmittelbaren Zeiten mit Berichterstattung per Twitter usw. schneller hoch: Die einen erregen sich, die anderen auch. Man streitet (oft anonym, aber vielfach auch bekannt) miteinander und um so mehr mit den unbekannten anderen. Das erleben wir bei allen Konflikten. Da sind die, die nach jedem Anschlag (und von denen hören wir mehr und schneller, weil einfach die Medien es erlaubten) sofort (zumindest) sprachlich zurückschlagen. Das erleben wir auch zunehmend bei politischen Meinungsverschiedenheiten.

In den USA gibt es auf kirchlichen Seiten schon Beiträge, wie man mit dem politisch anders denkenden Onkel das Thanksgiving-Fest überstehen kann, ohne dass es um politische Grundsatzfragen nur Auseinandersetzungen gibt, die das Familienfest sprengen können. Auch bei uns verschärft sich der Ton, dabei wird  mit Schärfe und Lautstärke kein Argument besser oder überzeugender. Nachdem es nach Presseberichten einen Sieg für Biden und eine Niederlage für Trump gibt, bekomme ich Bilder und Filmchen zugeschickt, Trump eingemauert, Text: Mexiko bezahlt nun doch die Mauer. Über eine andere Kultur des Umgangs freue ich mich sehr. Aber: So möchte ich nicht über Herrn Trump reden oder denken. Dafür bleibt er in aller Verschiedenheit von meinem Wunschbild doch Ebenbild Gottes.

Wenn ich an die Auseinandersetzungen über gleichgeschlechtliche Partnerschaften denke, und darum, ob die Ehen sein sollen oder dürfen, wenn ich an die Auseinandersetzungen zwischen Befürworter/inne/n und Ablehnenden der Corona-Maßnahmen geht: Immer wieder stellen wir fest: Die schnellere Kommunikation verschärft die Konflikte und führt zu weniger Überlegen vor einer »Antwort«, die oft eher »Gegenschlag« ist.

Man kann Bedenken haben gegen das moderne Impfwesen, man kann die Einschränkungen bestimmter Freiheiten für überzogen halten. Man sollte nicht pauschal alle, die derartige Gedanken hegen, in eine politisch rechte Ecke drängen, bloß weil manche politisch Rechte alles mitmachen, was anders ist als das Bestehende.

Wir brauchen ein neues Miteinander, eines, das versöhnt, das den Streit um die Sache und das Ringen danach, was passt, trennt von einem immer persönlicheren Konflikt, der oft die Person trifft. Diese fehlende Trennung im Denken ist es, was mich auch theologisch abstößt. Da wird die Sünde mit dem Sünder gleichgesetzt. Selbstverständlich ist es gut, die Sünde abzulehnen. Aber: Wenn das alle immer so gemacht hätten, dann gäbe es keine Menschen. Dann hätte es für jede und jeden einzelnen eine persönliche Sintflut gebraucht. Anders gesagt: Fehler machen wir alle. – Und (etwa in der Jugendarbeit in der Gemeinde) bemühe ich mich, das Trotzdem zu betonen. Obwohl wir alle so unmögliche und bisweilen unerträgliche Leute sind, haben wir auch etwas Wunderbares, etwas von der Ebenbildlichkeit Gottes.

Die Ablehnung der Sünde und die Liebe zum Sünder sind ein Wesensmerkmal Gottes. Sollte es bei uns dann nicht ähnlich sein? Ich wünsche mir Familien und Gemeinden, in denen wir nicht immer einer Meinung sein müssen, die aber die je andere Meinung anhören, bedenken. Gemeinden, die das schaffen, können sich anpassen und haben eine Zukunft.

Wenn es anders läuft, dann gibt es eine festgeschriebene Gemeindekultur. Wenn die Menschen sich abwenden, dann liegt das natürlich an denen, denn die Art zu leben und zu glauben wird keinesfalls in Frage gestellt. – In Familien muss sich etwas ändern, wenn sie älter werden. Anfangs entscheiden die Eltern und das muss so sein. Immer mehr lassen sie die Kinder eigene Entscheidungen treffen. Dabei passieren auch Fehler. – Natürlich! Irgendwann brauchen die Eltern die Kinder, weil sie nicht mehr alles können oder verstehen. Beziehung, die gut ist, ist und bleibt flexibel. Achtet den anderen.

Wie ist das bei unserem Gottesbild? Haben wir unsere 12 oder 42 Glaubenssätze, und das ist dann Gott? Gott ist größer, davon bin ich überzeugt. Er ist mit David im Gespräch geblieben, einem Ehebrecher und Mörder. – Warum sollte er dann nicht auch den lieben, den ich nicht verstehe? Der ganz anders tickt als ich?

Wenn es in den USA einen Riss zwischen Republikanern und Demokraten durch die Familien gibt, und Thanksgiving in Gefahr ist, so ist es bei uns das Miteinander von Corona-Ängstlichen und Corona-Maßnahmen-Ablehnenden. Auch hier braucht es viel Liebe zu den je anderen Menschen. Denn diese Konflikte gehen gerade ähnlich durch Gemeinden wie vor einiger Zeit die Konflikte zum Umgang mit (gleichgeschlechtlichen) Partnerschaften.

Das Leben ist und bleibt schwierig. Die beste Möglichkeit, die ich sehe, ist: Anders zu leben als die meisten, die sich in ihren eigenen Positionen einigeln und mit einer Wolke derjenigen umgeben, die alles genau so sehen, wie man selbst. – Wenn das die Jünger gemacht hätten, dann wären sie nie zu Aposteln geworden. Sie wären eine kleine Spezialgruppe im antiken Judentum geblieben. Wahrscheinlich ausgestorben. – Das Risiko besteht auch bei Gemeinden und Kirchen, die meinen, dass ihre eigenen Vorstellungen das (einzig) mögliche, zutreffende Bild von Gott und Mensch sei, und dass deshalb alle anderen Sichten falsch sein müssen.

So einfach ist das leider nicht. Schon gar nicht in mehrdeutigen Zeiten. – Dieser Beitrag bezieht sich auch auf den letzten (Umparken im Kopf…), den ich als Predigt am vergangenen Sonntag gehalten habe.

 

 

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Das Evangelium beginnt mit Umparken im Kopf https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/08/das-evangelium-beginnt-mit-umparken-im-kopf/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/11/08/das-evangelium-beginnt-mit-umparken-im-kopf/#respond Sun, 08 Nov 2020 06:11:35 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=529 Das Neue am Neuen Testament was ist eigentlich das Neue am Neuen Testament? – Das ist eine merkwürdige Frage? Sicher! Dennoch mache ich einmal den Versuch, die Frage zu beantworten. Das Alte am Alten Testament ist: Die Bundesschlüsse mit Noah, Abram und Mose richteten sich entweder an einzelne Stammväter oder an das Volk Israel. Das […]

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Das Neue am Neuen Testament

was ist eigentlich das Neue am Neuen Testament? – Das ist eine merkwürdige Frage? Sicher! Dennoch mache ich einmal den Versuch, die Frage zu beantworten.

Das Alte am Alten Testament ist: Die Bundesschlüsse mit Noah, Abram und Mose richteten sich entweder an einzelne Stammväter oder an das Volk Israel. Das Bundeszeichen war allen bekannt: Der Regenbogen als Zeichen, dass nach der Sintflut Gott nicht wieder die Menschen ausrotten wird. Die Beschneidung als Zeichen des Bundes mit Abraham, dass er ein großes Volk von Nachkommen haben wird. Und die Gesetze als Zeichen des Bundes am Sinai, den Gott mit seinem Volk schloss: Dies sollten sie für alle Zeiten halten, damit es ihnen wohl ergehe.

  • Gedacht wird also in Großfamilien oder gar für das Volk als Ganzes. Alle gehören dazu, und zwar durch ihre Geburt. So wie die meisten hier durch ihre Geburt Deutsche sind, so war man Teil des Gottesvolkes Israel.
    Die Achtung und Ehrfurcht, die man Gott entgegenbrachte, machte sich besonders darin deutlich, dass jemand (und wie gewissenhaft einer) die Gebote erfüllte. Die Pharisäer waren darin vorbildlich.
    Das Neue im Neuen Testament ist nun:
  • es geht  nicht mehr ums Volk oder um einzelne Großfamilien, sondern einzelne kommen zum Glauben, dass Jesus der Messias, der Christus ist.
  • Der Bund Gottes geht schnell über das Volk Israel hinaus, zu den so genannten Heidenvölkern. Damit ist klar: Es handelt sich um fundamental Neues, denn Gebote werden anders verstanden und gelten als nicht maßgeblich.
  • Zu Konflikten kommt es mit den Priestern, Schriftgelehrten und Pharisäern, also zu den religiösen Instanzen der Zeit. Denn Jesus versteht in der Erfüllung des Gesetzes teils etwas ganz anderes als die Autoritäten. Wenn er etwa am Sabbat heilt.
  • Dabei geht es nicht darum, das Gesetz aufzulösen, sondern statt den Buchstaben zu betonen, Gott als Geber des Gesetzes ernst zu nehmen. Das tut Jesus, und damit – mit diesem oft neuen Verständnis – eckt er an bei denen, die meinen sie wüssten, wie das alles zu verstehen sei.
  • Das grundlegend Neue ist aber: Unter dem alten Bund lag es am Menschen, die Gebote Gottes zu erfüllen. So weit, so klar. – Neu ist nun: Das Angebot, dies nicht mehr versuchen zu müssen. Wer an Christus glaubt, glaubt damit, dass Gott alles Wesentliche getan hat in seinem Sohn.
  • Im Neuen Testament geht es um Glauben als Beziehung zu Gott, die Gott selbst im Menschen Jesus ermöglicht hat. Beziehung ist persönlich und lebendig; das unterscheidet es vom Gesetz.

Umparken im Kopf…

Im Spätsommer 2013 tauchten an Plakatwänden, Litfaßsäulen usw. Plakate auf, die einen einfachen Spruch, einem »Claim« zeigten und dazu ein sehr einfaches Bild. Siehe etwa hier: Die Sprüche hatten sämtlich etwas Naheliegendes, aber leider auch Unzutreffendes. Alle verbinden Hamburg mit Regenwetter, dabei regnet es in Köln viel mehr. Die meisten mögen keine Oliven, haben sie aber noch nie probiert usw. Unter den Plakaten stand bloß eine Internet-Adresse: umparken-im-kopf.de. Da aber waren anfangs nicht viel mehr Informationen zu finden, worum es eigentlich ging.  Zum Schluss erschienen dann Plakate mit »Ist Opel eigentlich noch so, wie Sie meinen? – Sehen Sie doch einmal nach.«

Die altehrwürdige Marke Opel war in die Jahre gekommen, das Image des Opa-Autos, veraltete Technik, unmodernes Design. Das wollte niemand. Tatsächlich gelang es der Berliner Werbeagentur Scholz & Friends von 2013/14 den Imagewandel der Marke Opel anzustoßen, neben neuen Modellen. Dabei wird deutlich:

Nichts ist so schädlich für Beziehungen wie das vermeintliche Wissen darum, was der andere mag, möchte oder denkt. Da ist die Mitte Zwanzigjährige, die von ihrer Großmutter Pferdeposter und Spielzeugpferde geschenkt bekommt, weil sie sich doch so für Pferde interessiert und darein so vernarrt ist. Der Mann, der nicht mitbekommen hat, dass seine Mutter nur deshalb gern in die Oper ging, weil sie erlebte, wie das dem längst verstorbenen Mann, dem Vater des Opernkarten-Schenkers, ein Vergnügen war. – Sie aber macht sich nichts aus dem Musiktheater.
Die Neugier aufeinander ist es, was gute Beziehungen ausmacht – und denkt einmal an jung Verliebte: Die können kaum voneinander lassen, weil sie neugierig sind, weil sie die oder den anderen kennen lernen und alles von ihm oder ihr wissen möchten.
Im Glauben gibt es auch eine positive Neugier und Gespanntheit auf Gott. Ihn kennen zu lernen. Immer mehr von Dir, oh Herr. – Und es gibt den anderen Glauben, den zwischen Buchdeckeln einer Dogmatik, den Glauben an die gelernten Glaubenssätze. Neugier spielt dort eben keine Rolle. Wer so glaubt, meint zu wissen, was Gott will.

Das kann ganz falsch sein. Völlig an Gott vorbei laufen. Liebe Gemeinde, erlaubt, dass ich jetzt einmal einen wichtigen Begriff im Evangelium ansehen möchte mit Euch und Ihnen, und dass es dabei auch etwas »philologisch« wird. Ich glaube, dass das uns hilft, etwas besser zu verstehen, wo wir vielleicht auch denken, dass wir wüssten, was Gott möchte. – Leicht aber können wir einem Missverständnis aufsitzen.

meta-noeo – umdenken, Umparken im Kopf…

Zu Beginn seiner Wirksamkeit lässt sich Jesus von Johannes, dem Täufer, im Jordan taufen. In Markus 1 hören wir: Jesus war getauft, die Stimme Gottes hatte vom Himmel gesagt: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden. Dann treibt der Geist Jesus in die Wüste, wo er 40 Tage lang ist und versucht wird. Johannes wird gefangen genommen, und Jesus predigt in Galiläa das Evangelium vom Reich Gottes.

Markus 1,15: »Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist nahe gekommen.  Denkt um und glaubt an das Evangelium« – und dann werden die ersten Jünger am See berufen.
Um diesen Begriff, um dieses Wort »denkt um« bzw. meta-noeo geht es heute. Oft wird das übersetzt mit »kehrt um« und teils auch mit »tut Buße«. Das ist alles nicht ganz falsch.

Das Wort »meta-noeo« besteht aus zwei Teilen, zusammengesetzt wie unser »um-denken«. Noeo, das bedeutet »wahrnehmen, bemerken, denken, bedenken, erwägen, erkennen, ersinnen, sich vornehmen, gedenken. Es geht also um etwas im Kopf, in unserem Denken, um eine Erkenntnis, ein Denken.
Meta kennen wir aus der Metaphysik (da geht es um etwas, das über die Physik hinausgeht bzw. dahinter kommt) oder der Meta-Studie (da werden also 20 Studien verglichen) heißt: »dahinter, hinterher, nach hin, hinter her« – Wer ins Wörterbuch schaut, der findet je nach dem grammatikalischen Fall, mit dem das meta steht, noch viel mehr.
Kurz: Wer griechisch sprach und dachte, der hatte bei Jesu Worten als Judenchrist damals im ersten Jahrhundert zweierlei im Hinterkopf:
1. die oben genannte Bedeutung »denkt um«, »ändert euren Sinn«.
2. die alttestamentliche Bedeutung, denn der Begriff begegnet uns etwa in der griechischen Fassung des Alten Testaments, der so genannten Septuaginta (LXX), die Paulus zitierte und man damals meist benutzte. Dort bedeutete das »ändert euren Sinn« als religiöse Spezialbedeutung »tut Buße«, gebt ein Bußopfer (etwa in 3.Mose 5,5 und an über sechzig weiteren Vorkommnissen in AT.

Nun aber geschieht etwas in der Kirchengeschichte, das die meisten nicht auf dem Plan haben, das aber bis heute unser Verständnis prägt: Der Kirchenvater Hieronymus übernimmt es ab 386 aus den alten lateinischen Teil-Bibelübersetzungen (genannt Venus Latina) eine einheitliche Fassung zu erarbeiten. So etwas wird dringend gebraucht. Er, der ausgezeichnet Griechisch und relativ gut Hebräisch konnte, schafft die lateinische Standardbibel, die so genannte Vulgata, die in der röm.-kath. Kirche bis heute maßgeblich ist. Und weil er sich im Alten Testament ja mit dem Begriff meta-noeo (der in der Septuaginta auftritt für die Bußopfer) bereits hatte befassen müssen, gibt er auch im Neuen Testament dieses Umdenken, dieses »ändert euren Sinn« mit einer alttestamentlich passenden (und leider auch anmutenden) lateinischen Fassung wieder: »paenitentiam ago« – »tut Buße«.
Das ist nicht falsch, bloß geht der eigentliche Gehalt leicht verloren. Wenn im AT jemand Buße tut, dann ist das (oft) eine ritualisierte Handlung, ein Bußopfer wird gegeben und damit ist die Schuld ausgeglichen.
Das Umparken im Kopf, diese Änderung des Sinnes, das bleibt auf der Strecke. – Das darf und sollte sie aber nicht!

Religionen, die sich entwickelt haben, neigen dazu, genau zu wissen, wie Gott funktioniert. Es entwickeln sich Ämter und Lehre, etwa die Erbsündenlehre bei Augustin und die Sünden- und Erlösungstheologie bei Luther, dessen Nachfolger, die sogenannte lutherische Orthodoxie, wussten genau, wie Zerknirschung und Buße schließlich zur Bekehrung und Heiligung führen. Allein: Das Risiko ist groß, dass wir – wie die Pharisäer – meinen, wir hätten es ergriffen. Dabei geht es darum, die Beziehung zu Gott zu pflegen, wie Paulus sagt: »Ich habe es nicht ergriffen, ich jage ihm aber nach.«

Die Konsequenzen für uns

Liebe Gemeinde,
wir machen vieles und machen das liebevoll und gut. Das möchte ich nicht gering schätzen. Wir beten, wir feiern Gottesdienste. Wir musizieren und singen (oder summen) zur Ehre Gottes. Das tut nicht weh, und es kann sogar Spaß machen. Es ist gut.

Wir bleiben insofern aber hinter dem Evangelium zurück, als es nicht für uns als Wohlfühl-Faktor gedacht ist. Es soll zu den Menschen. Den Notleidenden soll geholfen werden. Die Hoffnungslosen sollen getröstet werden. Das tut Gott, klar. Aber: Dafür möchte er uns gebrauchen, auch uns als Gemeinde, als Johanneskirche. Dich und mich und uns alle, da, wo wir sind, sollen wir Gottes Zeugen sein.

Wenn wir Gottesdienste feiern, wenn wir darüber nachdenken, wir unter Corona-Bedingungen Gemeinde gehen kann, ist das alles gut und richtig. Aber: Gemeinde ist stets auch Gemeinde für die anderen. Für die Menschen, die vom Evangelium bisher nichts wissen. – Manchmal erscheint es mir, als igelten wir uns ein. Als wären wir ganz froh, wenn wir keine neuen Leute sehen, keine möglichen Virenträger, die eine Nachverfolgung erschweren, weil wir sie nicht kennen.

Die frühen Christen waren anders – und, zugegeben, die Zeiten waren es auch. Sie wurden durch Gottes Geist freigesetzt, als Juden zu den Nicht-Juden zu gehen – unerhört und für die meisten undenkbar. Die Grenzen zwischen Freien und Sklaven wurden nicht aufgehoben, aber doch in den Gemeinden überwunden. Männer und Frauen wurden tätig fürs Evangelium: Nicht selbstverständlich in der Antike, und schon gar nicht für diesen Kulturkreis.

Umparken im Kopf… Neu denken, umdenken. Lassen wir uns von Gott überraschen? Fragen wir danach? Sind wir neugierig? – Oder lassen wir uns lieber von unseren (Vor-)Urteilen prägen, stecken die Menschen in die vorgefertigten Kategorien von Christ und Sünder?

Ist das Neue am Evangelium nicht, dass es keine solche Unterscheidung braucht, weil Christenmenschen, ja, wir, sämtlich Sünder/innen sind? Wir sind nicht besser, allenfalls besser dran! – Und das ist ein Grund, dass wir uns auch in Corona-Zeiten von Gott gebrauchen lassen:

Es geht beim Christ-Sein um zweierlei: Um eine Beziehung zu Gott, die jemand entdeckt und entwickelt dank Gottes Geist. Das nennen wir Bekehrung oder »Christ-Werden«. Das ist ein fundamentales Umdenken und auch eine Umkehr. Das muss nicht immer ein Punkt sein, bei vielen aus frommen Familien ist das auch ein Prozess, bei dem sich einzelne Stufen beschreiben lassen, aber es nie eigentlich eine Bekehrung im engeren Sinne gibt. So weit, so gut.

Der zweite Punkt – und das ist gutes methodistisches Erbe – ist unsere Heiligung. Ich sage lieber unsere gelebte Nachfolge. Wir sind dazu da, mit Gott zu wirken. Auch dies ist immer wieder ein Umdenken. Wie leicht machen wir es uns: Das haben wir schon immer so gemacht… – Und wenn man dieses Umdenken zu einer bloß äußerlichen Angelegenheit macht, dann wird daraus schneller der Ablass – gestern war Reformationstag: Ablass ist Buße ohne Umdenken.
In der Gemeinde, in der Schule, in der Familie und in die Welt hinein. Gott braucht uns an allen diesen Orten. Und er möchte, dass unser Glaube wächst. Das aber geht nur, wenn uns dieser Glaube kostbar ist, wenn wir ihn pflegen und entwickeln (lassen) wollen. Nicht als etwas, das wir hätten, nicht als »Besitz«, sondern als Beziehung zu Gott in seinem Sohn und durch Gottes Geist.

Nachfolge geschieht, aber nicht ohne uns. Und: Es ist sehr wenig, wenn wir uns eine Predigt ansehen oder anhören. – Wir brauchen Gebet, wir brauchen andere, die uns begleiten. Wir brauchen es, mehr und mehr in die Bibel als Gottes gute Nachricht an uns einzutauchen. Das fällt manchen am Anfang schwer. Ein dickes und altes Buch. Aber: Sind wir noch neugierig? Wollen wir Gott mehr und mehr kennenlernen? So wie jung verliebte, die alles vom anderen wissen möchten?

Haben wir etwas gegen die Sünder da draußen, die manche Frommen vielleicht verdammen, weil sie nicht begreifen, wie sehr Gott die Menschen liebt? – Wenn jemand merkt, dass wir es mit ihm oder ihr gut meinen, dann ist das die Basis für vieles.

Sind wir bereit, umzupacken im Kopf? Oder halten wir unsere Vorurteile über Fromme (uns) und Sünder (die anderen) für heilig?

Gott möge Euch und Ihnen und besonders mir helfen, umzudenken, wo wir auf falschen, nämlich unseren eigenen, Wegen sind, so dass wir Umparken im Kopf.

Amen.

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Pastoren und Laien. Gedanken zur methodistischen Kirchenordnung — sprachkritisch betrachtet https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/30/pastoren-und-laien-gedanken-zur-methodistischen-kirchenordnung-sprachkritisch-betrachtet/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/30/pastoren-und-laien-gedanken-zur-methodistischen-kirchenordnung-sprachkritisch-betrachtet/#respond Fri, 30 Oct 2020 09:53:04 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=520 In der Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche (Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK) hierzulande ist vieles mir sympathisch. Etwa, dass diese regelmäßig durchgearbeitet wird — und es somit nicht — wie etwa bei den lutherischen Bekenntnisschriften — zu einer wachsenden Diskrepanz zwischen Bekenntnis einerseits und kirchlicher Praxis andererseits kommt. Ich freue mich auch daran, dass diese […]

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In der Kirchenordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche (Verfassung, Lehre und Ordnung der EmK) hierzulande ist vieles mir sympathisch. Etwa, dass diese regelmäßig durchgearbeitet wird — und es somit nicht — wie etwa bei den lutherischen Bekenntnisschriften — zu einer wachsenden Diskrepanz zwischen Bekenntnis einerseits und kirchlicher Praxis andererseits kommt.

Ich freue mich auch daran, dass diese Ordnung vergleichsweise knapp gehalten ist. Unter 400 Seiten inklusive weiter Teile der Organisation, das ist gut. Dabei ist die Grundlage (Bekenntnis usw.) unter 80 Seiten stark. Das können auch die lesen, die etwa darüber nachdenken, sich dieser Kirche anzuschließen, weil sie sichten, was es so an Kirchen gibt. Bei knapp 1.200 Seiten BSLK (Bekenntnisschriften der lutherischen Kirche) ist das schon eher eine Zumutung, abgesehen davon, dass einige Texte maßgeblich in der lateinischen Fassung sind, und die deutsche Übersetzung bloß als Hilfe zu verstehen ist. Ganz abgesehen vom Satz in Fraktur, den manche jüngere Jünger/innen nicht mehr lesen können.

Als kategorisch unglücklich bis missglückt sehe ich aber die Trennung in Pastoren und Laien an, die sich durch die gesamte VLO zieht, zumindest durch die Teile jenseits der altkirchlichen Bekenntnisse usw.

In der röm.-kath. Tradition wird ja zwischen Laien (von laos, das Volk) einerseits und dem Klerus (geweihten Geistlichen, leitet sich von der altkirchlichen Abstimmung mit Tontäfelchen her vgl. Wikipedia) andererseits unterschieden. Die Kleriker leben zölibatär, verwenden ihr Leben auf den Dienst am Evangelium in Wort und Sakrament.

Die Reformation entdeckte das Motiv des »allgemeinen Priestertums aller Gläubigen«, und damit, dass alle Christen zum Dienst berufen sind, auch zum Weitersagen. Es gibt also keine kategorische Unterscheidung zwischen Pastoren und anderen, sondern einerseits eine funktionale und andererseits war es Luther wichtig, dass etwa die Sakramente in rechter Weise (recte) verwaltet werden. Dafür waren die Pastoren da.

Wenn in den (etwa lutherischen) Kirchen von Pastoren und Laien gesprochen wird, ist damit eigentlich gemeint: Von Haupt- und Ehrenamtlichen. (vgl. hierzu auch das Gespräch mit Cornelius Grohs im Podcast). Dass es auch andere Hauptamtliche gibt (etwa in der Kirchenmusik, als pädagogische oder verwaltende Mitarbeitende, als Juristinnen und Juristen, als Küsterinnen und Küster usw. ist unbenommen).

Es gibt sogar theologische Mitarbeitende, die nicht Pastor(inn)en sind. Um die Dinge vollständig zu verwirren: Seit einigen Jahren gibt es auch das Modell der Ordination ins Ehrenamt, das sind also Pastorinnen oder Pastoren, die ehrenamtlich, also unbezahlt, ihren Dienst versehen. — Es ist einzusehen, dass das alles schwierig zu begreifen und verwirrend ist. Es folgt aber einfach daraus, dass einerseits die Arbeit gemacht werden muss, andererseits die Welt eben nicht so einfach ist, wie das vielleicht zu Luthers Zeiten war.

In der Kirchenordnung der EmK ist es nun so, dass »pastorale Mitglieder« und »Laienmitglieder« etwa bei den Konferenzen (also den quasi »Synoden« bzw. dem Kirchenparlament) zahlengleich besetzt werden sollen, dass man versucht, eine gute Balance zwischen den Haupt- und den Ehrenamtlichen herzustellen. Und wenn eine kleine Kirche ganz groß in etwas ist, dann ist es die EmK bei den Gedanken an Vertretung, Delegation, an Beauftragungen für alles mögliche. Kurz: Das Modell der Connexio (dass also die Teile der Kirche verbunden ein Ganzes bilden) ist allenthalben zu finden.

Allein: Die strukturelle Trennung in Pastoren Laien ist in mehrfacher Hinsicht tückisch:

Aus Artikel 32, der Zusammensetzung der Jährlichen Konferenzen:

»Die Jährliche Konferenz besteht aus den pastoralen Mitgliedern und Laienmitgliedern. Zu den pastoralen Mitgliedern zählen Diakone und Älteste, Pastoren und Pastorinnen auf Probe, außerordentliche Mitglieder und Lokalpastoren/Lokalpastorinnen mit Dienstzuweisung. Zu den Laienmitgliedern gehören die durch die Bezirke gewählten Laienmitglieder, die diaconal ministers (dazu Fußnote), der Konferenzlaienführer/ die Konferenzlaienführerin, die Distriktslaienführer/ Distriktslaienführerinnen, der Konferenzsekretär/ die Konferenzsekretärin für Weltmission (sofern es sich um Laien handelt), der/die Verantwortliche für Laiendienste, die Leiter/ Leiterinnen des Frauenwerks (Fußnote), des Männerwerks (Fußnote), der Konferenzorganisation junger Erwachsener (Fußnote), des Konferenzjugendwerks, des Studierendenwerks (Fußnote), eine junge Person zwischen 12 und 17 Jahren und eine junge Person zwischen 18 und 30 Jahren von jedem Distrikt, die auf die von der Jährlichen Konferenz bestimmte Art gewählt werden.«

Am Ende dieses Artikels heißt es dann:

»Ist die Zahl der Laienmitglieder geringer als die der pastoralen Mitglieder der Jährlichen Konferenz, hat die Konferenz mit einer nach eigenem Ermessen zu beschließenden Regelung für die Wahl zusätzlicher Laienmitglieder zu sorgen, um die Parität herzustellen.«

Seit dem liguistic turn (also der Wende dazu die Sprache als Mittel unseres Denkens in den Blick zu nehmen) ist klar: Wie wir über die Gegenstände unseres Denkens reden, das bestimmt, was wir über sie sagen (können) und was eben auch nicht.

Klar ist, dass alles »inklusive« Formulieren, so beschwerlich das im Einzelfall auch sein mag, unser Denken mit prägt. Gerade auch dahingehend, ob unser Bild im Kopf nur Männer oder auch Frauen in den jeweiligen Rollen sieht. Aber nicht nur. Wenn jemand nördlich des Polarkreises ein Dutzend Begriffe für »weiß« zur Verfügung hat, dann deshalb, weil die Farbe des Schnees oder Eises eben relevant ist. — Anders als in unseren Breiten, wo der Klimawandel Motorrad-Saisonkennzeichen ad absurdum führt.

Wenn also nicht allein das »Sein« das Bewusstsein bestimmt, sondern auch das »Sprechen über« unser Bild der Welt prägt, dann ist es nicht trivial, ob es einen kategorischen Unterschied in der Kirchenordnung zwischen Pastoren und Laien gibt.

Pastor/inn/en (im Sinne der VLO eher »Älteste« und nicht »Lokalpastor/inn/en«, aber das sind Detailprobleme) sind von Haus aus meist Menschen, die Theologie studiert haben. Sie arbeiten aber eher nicht »theologisch« (wissenschaftlich, in Forschung und Lehre), sondern »praktisch« im Gemeindedienst (und damit in Seelsorge, Verwaltung, Sakramentsverwaltung, Predigt etc.) Und sie tun dies hauptamtlich, erzielen also den überwiegenden Teil ihres Einkommens aus dieser Tätigkeit.

Andere arbeiten in den gleichen Tätigkeitsfeldern, sind aber Laien. Wenn das nun so ist, dann scheint mir die kategorische Trennung nicht zu passen, denn im Dienst und seinen Erfordernissen in den Gemeinden und Bezirken (und das ist nicht allein in der EmK so, sondern etwa auch in den lutherischen Kirchen) gibt es Erfordernisse und Gaben und Talente. Theologie (im engeren Sinne) ist nett, aber nur selten gefragt. Statt dessen braucht es andere Gaben, etwa die, Talente bei Menschen zu entdecken und freizusetzen. Predigen im universitären Sinne ist eines, klar: Homiletik ist nicht zu verachten. »Liturgische Präsenz« lässt sich gar mit statistischen Methoden beforschen. ABER: Billy Graham etwa hätte vermutlich keine Professur für praktische Theologie an einer bundesdeutschen Uni bekommen, allein, weil es an Promotion und Habilitation mangelte.

Gute Präsentation ist etwas, was eher eine Kunst (englisch »Art«) als eine Wissenschaft (englisch »Science«) ist. — Es braucht in Gemeinde viele Gaben. Hauptamtliche werden gebraucht, Neben- und Ehrenamtliche ebenfalls. Wenn alle gemeinsam am Reich Gottes arbeiten, dann kann es näher zu den Menschen gebracht werden, die es so dringend benötigen.

Die kategorische Trennung in Pastoren und Laien hilft hier meines Erachtens nicht weiter, sondern setzt einerseits die Pastoren unter einen Druck, der unangemessen ist. So als wären sie besonders nahe zu Gott, und also besonders heilig, und als wäre etwas, wenn sie es machen, besonders wirksam. Andererseits suggeriert diese begriffliche Trennung, dass das, was Laien machen, geistliche Dienste minderer Ordnung wären.

Dass Kirchen (wie die EmK), die ordinierte Pastoren haben, eine »Konferenz für ordinierte Dienste« haben, liegt auf der Hand. Auch dies aber unterstellt eine Bedeutung der Pastoren, die sie (einfach weil es weniger sind und werden und sie eben keinesfalls alles machen können) nicht wahrnehmen können.

Ich meine, dass ein erneuertes Verständnis des »allgemeinen Priestertums aller Gläubigen« erforderlich wird, das sich auch in der Kirchenordnung abbildet. Ohne dies ist ein Missverständnis kaum zu vermeiden, das die Kirche, sowohl die Pastoren wie die anderen, belastet.

Erst wenn sich im Denken und damit in den Begriffen eine neue Struktur ergeben haben wird, sehe ich, dass es aus etlichen Krisen Dilemmata einen Ausweg geben wird. So lange bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe — diese drei -, trotz und in den Strukturen wie sie sind, in der Hoffnung, dass sie sich verändern mögen.

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»Glaube, der wächst«, Gespräch mit Pfarrer Cornelius Grohs, Oldenburg https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/18/glaube-der-waechst-gespraech-mit-pfarrer-cornelius-grohs-oldenburg/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/18/glaube-der-waechst-gespraech-mit-pfarrer-cornelius-grohs-oldenburg/#respond Sun, 18 Oct 2020 14:10:58 +0000 Pfarrer Cornelius Grohs und ich sprachen darüber, wie manche Formen von Glauben offenbar nicht mitwachsen. Menschen werden zwar erwachsen, aber nie mündig – in ihrem Glauben. Sie bleiben leicht bei einem Kinderglauben stehen, obwohl sie aus den Kinderschuhen längst herausgewachsen sind.

Wie das besser und anders geht, und warum es erforderlich ist, dass wir den Mut gewinnen, uns auch in unserem Glauben ganz auf Gott zu verlassen und nicht auf unsere paar früh erlernten Glaubenssätze, darum geht es in diesem zweiten Teil des Gesprächs mit Pfarrer Cornelius Grohs im Haus des Oberkirchenrates der Evangelisch Lutherischen Kirche OIdenburgs.

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Pfarrer Cornelius Grohs und ich sprachen darüber, wie manche Formen von Glauben offenbar nicht mitwachsen. Menschen werden zwar erwachsen, aber nie mündig – in ihrem Glauben. Sie bleiben leicht bei einem Kinderglauben stehen, obwohl sie aus den Kinderschuhen längst herausgewachsen sind.

Wie das besser und anders geht, und warum es erforderlich ist, dass wir den Mut gewinnen, uns auch in unserem Glauben ganz auf Gott zu verlassen und nicht auf unsere paar früh erlernten Glaubenssätze, darum geht es in diesem zweiten Teil des Gesprächs mit Pfarrer Cornelius Grohs im Haus des Oberkirchenrates der Evangelisch Lutherischen Kirche OIdenburgs, geführt im Oktober 2020.

 

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Kirchen werden nach Corona anders sein als zuvor… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/14/kirchen-werden-nach-corona-anders-sein-als-zuvor/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/14/kirchen-werden-nach-corona-anders-sein-als-zuvor/#respond Wed, 14 Oct 2020 18:00:38 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=512 In diesen Zeiten ändert sich viel, auch in Gemeinden und Kirchen. Die Besuchszahlen in den Gottesdiensten und Veranstaltungen sind durch die jeweiligen Hygienekonzepte begrenzt und einige bleiben vorsichtshalber weg. Anderen ist das Verfahren mit (Vor-)Anmeldung unsympathisch oder zu mühsam. – Besonders betroffen sind die Jugendlichen. Für alle zwischen 13 und 18 Jahren ist die Peer-Group […]

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In diesen Zeiten ändert sich viel, auch in Gemeinden und Kirchen. Die Besuchszahlen in den Gottesdiensten und Veranstaltungen sind durch die jeweiligen Hygienekonzepte begrenzt und einige bleiben vorsichtshalber weg. Anderen ist das Verfahren mit (Vor-)Anmeldung unsympathisch oder zu mühsam. – Besonders betroffen sind die Jugendlichen. Für alle zwischen 13 und 18 Jahren ist die Peer-Group besonders wichtig. Das sind die anderen, die etwa gleich alt sind. Man definiert sich zunehmend über die Freunde, die Kollegen und Mitschüler(innen) bzw. die in der Gemeinde, die ein Jahr älter sind als man selbst.

Wenn dann aber über sieben Monate lang kaum ein Angebot stattfinden kann, das den Namen verdient, wenn Gemeinschaft, Nähe und gelebtes Miteinander bloß mit Abstand und Maske möglich ist, dann ist es für mich kein Wunder, dass das nicht attraktiv sein kann.

Also bleiben die jungen Leute weg. – Wenn das sich nicht bald ändert, werden wir eine verlorene Generation haben, die auch keinen Weg zur Gemeinde findet, weil man die Zeit jeweils füllen kann. Der Sportverein, die Freunde usw. sind bereit, wenn Gemeinde keine Attraktivität ausstrahlt, kann man da Zeit besser füllen.

Auch bei den Erwachsenen wird Covid-19 Spuren hinterlassen. Ich halte es, wie auch manche andere, die hauptamtlich über Religionssoziologie nachdenken, für eher unwahrscheinlich, dass alle wieder kommen, wenn die Infektion vorbei sein wird. Mit medialen Angeboten hat man sich nun eingerichtet, die Fernsehgottesdienste, der Evangeliumsrundfunk und auch das Internet mit YouTube usw. sind Angebote, die einen weiterhin hohen Zuspruch genießen, auch weil sie bequem sind.

Gewohnheiten werden über eine längere Zeit eingeübt. Wenn man nun schon seit sieben Monaten nicht in die Live-Gottesdienste der eigenen Gemeinde geht, dann wird man es auch nicht tun. So kann der Sonntag einen anderen Rhythmus bekommen. Das ist nicht bloß schlecht.

Dieses Nachlassen in der Gottesdienst-Besuchskultur wird aber wohl auch bewirken, dass das Schrumpfen von Kirchen schneller geht. Nicht nur werden junge Leute nicht Mitglied (eher etwas in Freikirchen), sondern das Spenden- und Kollektenaufkommen wird zurück gehen bzw. anders verteilt werden, so dass die jeweiligen Gemeinden weniger bekommen. – Das wiederum begrenzt die Möglichkeiten, Hauptamtliche zu beschäftigen.

Gerade bin ich im Kurzurlaub in Schleswig-Holstein und stelle fest, dass hier etwa die landeskirchliche Gemeinschaft und die zugehörige Kinder- und Jugendarbeit vollständig ins Internet verlegt sind. In Hannover gibt es sehr große Freikirchen, die ebenso verfahren. – Klar: Es kann geboten sein. Aber es verändert die Art und Weise erheblich, wie Menschen einander begegnen und welche Bedeutung das Gemeindeleben im eigenen Leben hat. Natürliche Abgänge (Umzug, Todesfall, …) gibt es immer. Wenn aber keine Aufnahmen dem gegenüber stehen, dann werden Gemeinden kleiner. Bei einigen bedeutet das, dass sie keinen dritten Pastor beschäftigen können, bei anderen geht es um die Existenz.

Ich sehe auch keinen Aufholeffekt (wie etwa in der Hinwendung zu Kirchen bzw. religiösen Begeisterung nach 1945), denn es gibt ja kein anderes System, das Denken, Identifikation und Begeisterung beanspruchte, wie der Nationalsozialismus, der nachhaltig gegen eine Wand gefahren war. Heute sind die Parteien, Vereinige, Gewerkschaften usw. ähnlich dran: Sie finden wenige, denen die Mitarbeit und das Engagement wichtig sind.

Wenn wir gerade vorleben, dass Glaube und Nachfolge auch ohne Gemeinschaft bzw. Gemeinde gehen, dann gibt es eigentlich keinen Grund, das zu ändern, bloß weil ein Virus mutmaßlich irgendwann als besiegt angesehen werden kann.

Ich fasse also die Wirkungen zusammen:

  • Weniger Gemeinde-Eintritte und schwindende Bindung Jugendlicher
  • Weniger Spenden und weniger Kollekten
  • mittelfristig schwindende Beiträge respektive Kirchensteuern
  • Wegbleiben derjenigen, die nun auf mediale Angebote setzen.

Das jedenfalls führt zu einer gründlichen Änderung bei Gemeinden und Kirchen. Das aber ist nur eine Seite der Medaille, die andere ist, dass die christlichen Bindungen schwinden. Agnostiker und Atheisten haben also durch Corona einiges erreicht, was sonst nicht so schnell gegangen wäre. Anders gesagt: Eine Erweckung sieht eher gegenteilig aus.

Corona bewirkt Entkirchlichung 2.0 – es sei denn, dass sich die Gemeinden bzw. Kirchen neu definieren. Dazu drängen nun die äußeren Umstände. Es gilt, aus dem Fortschreiben des ewig Gleichen herauszukommen, und die Berufung wahrzunehmen, zu der Christen berufen sind. Das aber bedeutet, aus dem Quark zu kommen. – Sich neu zusammenzutun, um das Evangelium in die Welt zu bringen durch Tun und Zeugnis.

Schauen wir einmal, welche Gemeinden das schaffen bzw. sich darauf einlassen.

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Haupt- und Ehrenamtliche – ein Gespräch mit Pfarrer Cornelius Grohs (Ev.-Luth. Kirche Oldenburg) https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/04/haupt-und-ehrenamtliche-ein-gespraech-mit-pfarrer-cornelius-grohs-ev-luth-kirche-oldenburg/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/10/04/haupt-und-ehrenamtliche-ein-gespraech-mit-pfarrer-cornelius-grohs-ev-luth-kirche-oldenburg/#respond Sun, 04 Oct 2020 19:51:57 +0000 Pfarrer Cornelius Grohs ist ein alter Freund, bereits vor unserem Studium, aber auch darin. Er ist nun im Oberkirchenrat der Oldenburger Kirche zuständig für Ehrenamtliche in der Verkündigung und für Gottesdienst, hat sich lange um das Ehrenamt gekümmert und vorher zwölf Jahre Pfarramtserfahrung sammeln können.

Ein Gespräch über viel und vielfältiges, was Kirche und Gemeinde prägt, gerade in Hinblick auf die Gottesdienste und Gemeinde-Leben für die Zukunft.  Zukunft der Kirche, Kirche der Zukunft, Überzeugungstäter/innen, darum geht es in diesem ersten Teil unseres Gesprächs.

Vielen Dank für die Zeit und die freundliche und offene Atmosphäre nach Oldenburg.

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Pfarrer Cornelius Grohs ist ein alter Freund, bereits vor unserem Studium, aber auch darin. Er ist nun im Oberkirchenrat der Oldenburger Kirche zuständig für Ehrenamtliche in der Verkündigung und für Gottesdienst, hat sich lange um das Ehrenamt gekümmert und vorher zwölf Jahre Pfarramtserfahrung sammeln können.

Ein Gespräch über viel und vielfältiges, was Kirche und Gemeinde prägt, gerade in Hinblick auf die Gottesdienste und Gemeinde-Leben für die Zukunft.  Zukunft der Kirche, Kirche der Zukunft, Überzeugungstäter/innen, darum geht es in diesem ersten Teil unseres Gesprächs. Ein zweiter Teil folgt demnächst.

Vielen Dank für die Zeit und die freundliche und offene Atmosphäre und die gemeinsame Zeit nach Oldenburg.

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