Nachfolge postmodern https://www.nachfolge-postmodern.de Ein Blog für Christenmenschen in mehrdeutigen Zeiten. Sun, 12 Jul 2020 13:42:19 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=5.4.2 https://www.nachfolge-postmodern.de/wp-content/uploads/2020/06/cropped-14577138727_d76dcbc2a3_o-32x32.jpg Nachfolge postmodern https://www.nachfolge-postmodern.de 32 32 165045550 missional statt missionarisch https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/12/missional-statt-missionarisch/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/12/missional-statt-missionarisch/#respond Sun, 12 Jul 2020 13:41:59 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=412 Kulturellen Unterschiede machen sich an Sprache fest. Man muss nicht alles geschlechtsneutral formulieren. Aber: Das ist ein Zeichen dafür, wie wir denken. Der Begriff des »missionarischen« richtet sich auf zweierlei: auf die Frage, ob’s Gegenüber in den Himmel kommt und auf mein Tun, damit das eintreten möge. Missionarisch, das klingt mühsam und bemüht. Uns bleibt […]

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Kulturellen Unterschiede machen sich an Sprache fest. Man muss nicht alles geschlechtsneutral formulieren. Aber: Das ist ein Zeichen dafür, wie wir denken.

Der Begriff des »missionarischen« richtet sich auf zweierlei:

  1. auf die Frage, ob’s Gegenüber in den Himmel kommt und
  2. auf mein Tun, damit das eintreten möge.

Missionarisch, das klingt mühsam und bemüht. Uns bleibt ja keine Wahl, wenn wir die anderen retten wollen. Wir müssen dieses oder jenes tun. Alles hängt an uns.

Was mir aus der Fresh Expressions-Bewegung sympathisch ist, das ist unter anderem der Begriff des »missionalen« Handelns. Damit ist gemeint, dass Mission in jedem Fall ein Tun Gottes ist. Er sendet, er schickt die Menschen und vor allem seinen Geist, ohne den gar nichts geht an Heilshandeln.

Ein missionaler Lebensstil ist eher natürlich und authentisch als bemüht. Es geht um das, was heute dran ist. Gesandte sind wir jederzeit. Beim Einkauf an der Supermarktkasse gleichermaßen wie im Gottesdienst, in der Familie ebenso wie bei der Arbeit oder dann, wenn wir die Steuererklärung vorbereiten.

Es geht weniger darum, dass ich den anderen retten muss, das klingt anmaßend und vermessen. Vielmehr darf ich mitwirken an Gottes Plan für seine Welt und seine Menschen.

Das missionale Tun beschreibt und bezieht sich auf meine Nachfolge, insofern aufs Diesseits. Dass es anderen dient, setze ich voraus.

Einige in der Fresh Expressions Bewegung denken vom Begriff des missionalen Handelns viele Themen klassischer Dogmatik und Ethik neu. Wie bei wissenschaftlicher Beschäftigung mit etwas üblich: Das kann vor tragischen Fehlern bewahren, aber es ist eher eine Meta-Handlung, liegt daher auf der nächst höheren Ebene. Das ist mitunter erforderlich, aber es ist nicht das Eigentliche.

Sympathisch finde ich, dass die, die lieber missional als missionarisch schreiben und das im oben genannten Sinn meinen, betonen, dass alle Mission »Missio Dei«, Sendung Gottes ist. Er ist es, der sendet. Hier, heute, jetzt.

Mir fällt der alte Diplomaten-Witz ein: Beim Begleitprogramm sprechen Diplomaten-Gattinnen über die Schwierigkeiten der deutschen Sprache. Eine sagt: »Für alles mögliche gibt es mehrere Begriffe, die das gleiche bedeuten.« Sie nennt »schicken« und »senden« als Beispiele. – Eine andere kontert: »Naja, so ganz das selbe bedeuten die Begriffe nicht. Ihr Mann, zum Beispiel, ist zwar ein Gesandter, aber kein geschickter.« – Ob die erste das gleich verstanden hat oder sich später hat erklären lassen müssen, weiß ich nicht. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Nachfolge die Sendung einschließt.

In vielen klassischen Gemeindeformen dreht sich das meiste um die, die da sind. Klar, denn die könnten wegbleiben. Die könnten an den Kirchenvorstand oder an die Superintendentin einen Brief mit Beschwerden schreiben.

Missional bedeutet, dass es sich um die anderen drehen muss! Dass es unmöglich ist, die, die fehlen, nicht als Mangel zu empfinden. Aber nicht, weil es um Stiche auf der missionarischen Abschussliste geht, sondern weil die Menschen Gott wichtig sind – und daher mir und uns.

Es bleibt dabei: Mission ist missio dei – und Nachfolge ist nicht weniger als es mehr und mehr ebenso zu sehen wie Gott.

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Der Unterschied zwischen Fresh Expressions und Nachfolge-Postmodern https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/05/der-unterschied-zwischen-fresh-expressions-und-nachfolge-postmodern/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/05/der-unterschied-zwischen-fresh-expressions-und-nachfolge-postmodern/#respond Sun, 05 Jul 2020 09:02:32 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=405 In diesem Blogbeitrag geht es um den Unterschied zwischen der Zielgruppe dieses Blogs und dem, was viele als Fresh Expressions (of Faith) bezeichnen. Es sind teils fast gegenteilige Konzepte, wenngleich die Beobachtungen, von denen alles ausgeht, ähnlich sind. Fresh Expressions – voll im Trend Fresh Expressions, die neuen Ausdrucksformen des Glaubens, sind in vielen Kreisen […]

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In diesem Blogbeitrag geht es um den Unterschied zwischen der Zielgruppe dieses Blogs und dem, was viele als Fresh Expressions (of Faith) bezeichnen. Es sind teils fast gegenteilige Konzepte, wenngleich die Beobachtungen, von denen alles ausgeht, ähnlich sind.

Fresh Expressions – voll im Trend

Fresh Expressions, die neuen Ausdrucksformen des Glaubens, sind in vielen Kreisen und Gemeinden ein großes Thema. Stets beginnt alles mit der Einsicht, dass viele nicht erreicht werden (können) durch die bisherigen Angebote von Gemeinden. Das passt nicht zu deren Leben und deren Formen.

Wenn Gemeinden so weit kommen, ist das eine ganze Menge. Viele nämlich geben sich zufrieden mit dem, was sie haben, mit den Menschen, den Formen usw. Das werden oft weniger, man nimmt es zur Kenntnis, Menschen können nicht mehr so, sie werden älter. Dass aber jüngere fehlen, das merken viele nicht. Oder sie merken es, sehen aber keinen Ansatzpunkt, an dem sie das ändern könnten.

Zu den jüngeren und deren Lebenswelt haben sie keine Verbindungen, die älteren Brüder, die am Drücker sind – und die hatten ja bereits in Lukas 15 kein Verständnis für den anderen Lebensentwurf des jüngeren Bruders.

Fresh Expressions versuchen nun hinzugehen, dahin, wo die Menschen sind. Im Café, ein Kinderangebot im sozialen Brennpunkt, einen Freiraum zu schaffen. Aufsuchend statt einladend – schließlich heißt es in Matthäus 28, dem so genannten Missionsbefehl nicht: Ladet sie ein, zu euch zu kommen und alles so zu machen wie immer. Nein: Gehet hin.

Seit Jahren verfolge ich die Bewegung der Fresh Expressions und stelle – mit vielen anderen – fest:

  • Ja, viele der Projekte dienen bestimmten Menschen.
  • Nein, die Projekte sind kein Gemeindewachstums-Prozess, weil die Menschen, die erreicht werden, auch anschließend meist nicht in Gemeinden passen, denn Gemeinden bleiben ja meist beharrlich wie gehabt.
  • Ja, oft hängt es sehr an einzelnen Mitarbeitenden, an deren Art, deren Blick für Menschen um sie. Projekte haben nach dem Ausscheiden der oder wichtiger Gründungspersonen ein hohes Risiko zu scheitern. Oft sind Fresh Expressions vor allem Beziehungsarbeit.

Anders gesagt: Als Gemeinden und Kirchen können (und vielleicht sollen) wir diese Arbeit machen. Wer sich aber erhofft, damit die Mitgliederstatistik aufhübschen zu können und binnen sechs oder acht Jahren neue Gemeindeglieder in nennenswerter Zahl zu gewinnen, der oder die haben sich meist geirrt. Fresh Expressions binden gar Mitarbeitende, die dann, wenn sie ein Angebot außerhalb der Gemeinde machen, nicht den Kindergottesdienst in der Gemeinde machen können. – Möglicherweise ist solche Arbeit unser Auftrag. Es schadet nicht, wenn wir (endlich mal) kreativ werden, neue Formen entwickeln, wie wir aus unseren Kreisen heraus kommen.

Was hier fundamental anders ist…

Nachfolge-Postmodern aber ist ein fundamental anderes Umgehen mit der Feststellung, dass die Lebenswelt einiger mit der Realität von Gemeinden nicht zusammen passt. Es geht dabei um die Feststellung, dass Glaube vielfältig ist. – Da gibt es die traditionellen Menschen, die ihre Glaubenssätze im Topf haben möchten, die klare Leitplanken für ihr Leben wünschen. Die davon ausgehen, dass die Welt eben so sei, wie sie sich das denken. Die dürfen ja da sein, so wie sie sind! Aber: Sie müssen (um der Liebe willen) zur Kenntnis nehmen, dass es auch andere gibt. Für die ist die Welt vieldeutig. Richtig und falsch sind nicht für alle so einfach.

Das allein ist für viele Gemeinden (und auch Kirchen) eine Zumutung. Aber: Es gibt bloß die Möglichkeit, dass die, die postmodern denken, entweder wegbleiben oder es zumindest so viel Angebot für sie geben muss, dass sie da bleiben. Sie werden nebenbei ebenso gebraucht wie die, die traditionell denken.

Die Sinus-Jugendstudien zeigen es:

In den Sinus-Millieustudien der letzten Jahre gibt es die meisten Gruppen junger Menschen bis 17 (bzw. anfangs bis 27) Jahre, die kaum in die traditionellen Angebote von Kirchen passen. – Insbesondere gilt das für die postmateriellen Jugendlichen und die experimentalistischen. Bei den Performer-Jugendlichen mit deren Early-Adopter-Mentalität besteht ein großes Risiko, dass die auch in geistlich-gemeindlichen Angeboten ganz vorne mit dabei sind: Sie sind weit eher wechselwillig, sozusagen volatil. Wo laufen die attraktivsten Angebote? Und wenn das nicht Eure Gemeinde ist, liebe Leserin, lieber Leser, dann solltet Ihr Euch um diese Gruppe Sorgen machen.

ICF und einige Pfingstgemeinden beleben die Konkurrenz. Methodisch ganz vorne mit dabei, inhaltlich aber oft eher traditionell. Insbesondere beim Wahrheitsbegriff. Bei den Postmateriellen stellen sich andere Fragen: Wie ist das mit der Nachhaltigkeit unserer Gemeinde? Hier kommen Fridays-for-Future mit Kirchenkaffee zusammen: Wo kommt der Kaffee eigentlich her? Ist der biologisch und fair erzeugt? Und: Auch sonst geht es um Authentizität. Wenn da etwas nicht passt, dann sind die Postmateriellen weg. – Von den Expeditiven spreche ich hier lieber nicht, denn im Augenblick, in dem der Blogbeitrag fertig ist, sind die bereits weiter. Wohin sich diese Gruppe bewegt, ist völlig unvorhersehbar. Möglicherweise ja auch zu alten Formen: Ins Kloster oder zu den Amish.

Klar ist: Unterschiedliche Menschen wünschen sich unterschiedliche Angebote, unterschiedliche soziale Umfelder (z.B. Hauskreise), und zwar möglichst solche, die sie selbst völlig selbstverständlich akzeptieren. Noch etwas Weiteres ist klar: Jemanden zu halten, das ist einfacher, als jemanden neu zu gewinnen. Bei Jugendlichen, die in frommen Familien leben, ist es viel einfacher, diese mit passenden Angeboten als Gemeinde zu versorgen, als sich mit einem christlichen Büchertisch auf den Marktplatz zu stellen, und ganz neue Leute zu suchen. Nebenbei: Ob der Tisch im Internet oder auf dem Marktplatz steht, das wäre auch eine anregende Frage… – Und: Wer braucht denn überhaupt Bücher? Ist das möglicherweise das falsche Medium für die intendierte Zielgruppe?

Der Unterschied:

Nachfolge-Postmodern versucht, Menschen zu halten! Solche, die möglicherweise, wenn sich nichts findet, das ihnen entspricht, abwenden und andere Interessen verfolgen. – Fresh Expressions versuchen, die Menschen auf dem Marktplatz aufzusuchen. Beides ist sinnvoll.

Zugegeben: Diese Website ist ein Nischenprojekt, denn allein der Anteil derjenigen, für die Nachfolge ein Thema ist, ist klein. Etwa 52 % der bundesdeutschen Bevölkerung sind Glied einer der großen Kirchen. Dazu kommen die Freikirchen usw. Wenn wir einmal vom Gottesdienstbesuch ausgehen, sind das etwa drei Prozent der Bevölkerung. Wenn von denen 90 % traditionell denken und glauben, so bleiben zwischen 200.000 und 300.000 Menschen übrig, die eben nicht traditionell glauben, sondern von denen einige in der Postmoderne denkend angekommen sind. Hinzu kommen die aus Österreich, der Schweiz usw. – eben den übrigen deutschsprachigen Regionen, die per Internet erreicht werden können.

Das ist zwar eine Nische, aber keine zu kleine, wie ich finde. Zumal mehr und mehr Christenmenschen in den Gemeinden suchen, wie anders als traditionell die Sätze und Sachverhalte gedacht werden können. Dazu möchte diese Website einen Beitrag leisten.

Fresh Expressions setzen bei denen an, die nicht dazu gehören. Nachfolge-Postmodern setzt bei denen an, die Kirche sind, aber die sich in Kirche(n) nicht (mehr) beheimatet fühlen. Ja, die Zielgruppe von Nachfolge-Postmodern ist aus dieser Gruppe eher auf die gerichtet, bei denen das Unbehagen mit dem Nachdenken zu tun hat. Es geht um den Blick auf die Welt, um die Mehrdeutigkeit statt der traditionellen Eindeutigkeit.

Dass diese Mehrdeutigkeit eben keine Beliebigkeit meint, dürfte aus den letzten Texten hier klar geworden sein. – Wer für alles offen ist, der kann nicht ganz dicht sein.

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Chancen großer Kirchen/Volkskirchen mit Max Apel https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/01/chancen-grosser-kirchen-volkskirchen-mit-max-apel/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/07/01/chancen-grosser-kirchen-volkskirchen-mit-max-apel/#respond Wed, 01 Jul 2020 07:02:23 +0000 Max Apel ist seit einigen Wochen Pastor in Uslar in Südniedersachsen. In diesem Gespräch geht es um seine Rolle für die 2.500 Menschen, für die im Schnitt eine Pastorenstelle in der Landeskirche da ist. Es geht um die Chancen der Begegnungen beim Einkaufen, im Taufgespräch und beim Schützenfest: Volkskirche ist eine Herausforderung, aber sie bietet eben auch Chancen.

Das muss man wissen und wollen, wenn man sich auf die Menschen und diese Arbeit einlassen möchte.

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Max Apel ist seit einigen Wochen Pastor in Uslar in Südniedersachsen. In diesem Gespräch geht es um seine Rolle für die 2.500 Menschen, für die im Schnitt eine Pastorenstelle in der Landeskirche da ist. Es geht um die Chancen der Begegnungen beim Einkaufen, im Taufgespräch und beim Schützenfest: Volkskirche ist eine Herausforderung, aber sie bietet eben auch Chancen.

Das muss man wissen und wollen, wenn man sich auf die Menschen und diese Arbeit einlassen möchte.

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christliche Gemeinschaft ohne Gemeinde? – ein Gespräch mit Markus W. https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/27/christliche-gemeinschaft-ohne-gemeinde-ein-gespraech-mit-markus-w/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/27/christliche-gemeinschaft-ohne-gemeinde-ein-gespraech-mit-markus-w/#respond Sat, 27 Jun 2020 18:52:58 +0000 Ein längeres Gespräch über eine Art von gelebtem Christsein heute, und das quasi ohne Ortsgemeinde. Dafür mit mehreren Hauskreisen und auch eigenen Angeboten. Markus ist Lehrer und hat einen jungen Sohn; so dass sonntags morgens keine gute Zeit für Gottesdienste ist. Wir kennen und schätzen einander lange, rund fünfzehn Jahre. – Wie er als Christ lebt, darum geht es hier in diesem ersten Podcast von nachfolge-postmodern.de – Mir geht es darum, dass es keine richtigen oder falschen Praxen geben soll; ich höre gerne wie andere das machen. Dieses Gespräch führte uns über gut eine Stunde durch manches vom Marburger Kreis bis zur Jugendkirche, von den Navigatoren bis zum Hildesheimer Dom. Wir sprachen über Bonhoeffers Nachfolge und Hörsaal-Theologie, über inspirierende andere, Glaubensvorbilder. Über die Rolle der Gemeinden und des Konfirmationsunterrichts für die Entwicklung eines eigenen Glaubens. Mehr gibt es zu hören.

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Ein längeres Gespräch über eine Art von gelebtem Christsein heute, und das quasi ohne Ortsgemeinde. Dafür mit mehreren Hauskreisen und auch eigenen Angeboten. Markus ist Lehrer und hat einen jungen Sohn; so dass sonntags morgens keine gute Zeit für Gottesdienste ist. Wir kennen und schätzen einander lange, rund fünfzehn Jahre. – Wie er als Christ lebt, darum geht es hier in diesem ersten Podcast von nachfolge-postmodern.de – Mir geht es darum, dass es keine richtigen oder falschen Praxen geben soll; ich höre gerne wie andere das machen. Dieses Gespräch führte uns über gut eine Stunde durch manches vom Marburger Kreis bis zur Jugendkirche, von den Navigatoren bis zum Hildesheimer Dom. Wir sprachen über Bonhoeffers Nachfolge und Hörsaal-Theologie, über inspirierende andere, Glaubensvorbilder. Über die Rolle der Gemeinden und des Konfirmationsunterrichts für die Entwicklung eines eigenen Glaubens. Mehr gibt es zu hören.

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wie handeln? – Gedanken zur Ethik… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/22/wie-handeln-gedanken-zur-ethik/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/22/wie-handeln-gedanken-zur-ethik/#respond Mon, 22 Jun 2020 07:28:03 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=349 Für viele hat Christsein etwas mit dem richtigen Handeln zu tun. Dass man also verantwortlich und so lebt, dass es Gott und den anderen dient. Eben das bedeutet, dass man ethisch gut handelt.  Für unterschiedliche Bereiche unseres Lebens, die bisweilen als Mandate bezeichnet werden, für das Leben in der Familie, im Beruf, in der Politik […]

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Für viele hat Christsein etwas mit dem richtigen Handeln zu tun. Dass man also verantwortlich und so lebt, dass es Gott und den anderen dient. Eben das bedeutet, dass man ethisch gut handelt. 

Für unterschiedliche Bereiche unseres Lebens, die bisweilen als Mandate bezeichnet werden, für das Leben in der Familie, im Beruf, in der Politik (ob nun als Wählerin, in einer Bürgerinitiative oder als Politikerin) usw. gibt es jeweils empfohlene Handlungsweisen. 

Handlung und Widerfahrnis

Ich schreibe hier vom Handeln, weil ich nur denjenigen Bereich menschlichen Verhaltens meine, den wir bewusst steuern können. Das so genannte unbewusste Verhalten, das manche Behavioristen sehr betonen, lasse ich absichtlich weg, weil es eben keine Handlungsoptionen bietet. Wenn ich stolpere etwa, dann ist das ein Widerfahrnis, das ich nicht lassen kann. Ob ich aber eine Partei wähle oder ein Steak kaufe, wie ich Kinder erziehe und wie ich meine Eltern unterstütze, das sind Bereiche, in denen es weit mehr als nur eine Option für mich gibt. 

Was aber unter welchen Umständen richtig ist, das erscheint mir nicht so einfach, wie es manche darstellen. – Nehmen wir ein einfaches Beispiel: »Ob Kriegsleute auch im seligen Stande sein können« (ein Titel einer kleinen Schrift Martin Luthers von 1526). Immer wieder wurde diese Frage – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen – in der Christenheit diskutiert. Nachdem es am Anfang eine völlige Ablehnung des Soldatenberufs gab, eine Sicht als unvereinbar mit dem Christsein, änderte sich das nach der konstantinischen Wende. 

Angesichts der Kreuzzüge wurden die Argumente wieder neu gemischt. Wenn ich an Zeugen Jehovas und andere Gruppen denke, die Kriegsdienst für mit dem Christsein unvereinbar halten, wird klar: Das ist vielfach eine Frage, wie welche (guten) Argumente gewichtet werden. 

Christliche Individualethik?!

Weil aber gerade in sozialethischen Fragen, also solchen, die nicht bloß mich allein betreffen, sondern eben eine größere Gruppe, vielleicht bis zu allen Menschen und oder auch noch andere Teile der Schöpfung, es zunehmend schwierig und komplex wird, zu entscheiden, was richtig und was falsch ist, nehmen aktuelle fromme ethische Konzepte vielfach vor allem die Einzelnen in den Blick: Wie Christen politisch handeln sollen, das ist schwierig. Aber in ihrem persönlichen Bereich, da sollen sie doch einfach explizit christlich leben. 

Insofern verstehe ich die Fragen in Zusammenhang mit menschlicher Sexualität als eine Art Komplexitäts-Vermeidungs-Strategie. Leider misslingt das, denn dieser Bereich ist keinesfalls weniger komplex. Vor allem sind die frommen Rezepte oft – das hat mit dem letzten Artikel zu tun, den ich hier veröffentlichte, – leider keine wissenschaftlich ethischen Konzepte, sondern bestenfalls so etwas wie »best practices«. Viele Gemeinden und Pastoren vermitteln, was ihnen selbst gut erscheint: Sexualität gehört in die Ehe, und das meint die feste und stabile Gemeinschaft von einem Mann und einer Frau. 

Darin sind zahlreiche Annahmen enthalten, etwa die Übereinstimmung der geschlechtlichen Identität mit äußeren Geschlechtsmerkmalen, die Annahme eines entweder Mannes oder einer Frau. Dass dies möglicherweise aber weniger disjunkte Mengen sind, sondern eher Sprechweisen über etwas, die ja mehrheitlich auch passen, insofern als Sprechweisen nicht falsch sind: Sie haben einen über 50 % Nutzen! Das ist nicht nichts. Allein: Sie verletzen besonders die, bei denen diese Sprechweisen nicht passen, denn sie suggerieren, dass der Fehler bei denen liege, die nicht in die entsprechenden Schubladen passen. 

Wohl gemerkt: Ich spreche hier bisher nicht davon, woher diese Modelle kommen, dass möglicherweise auch Paulus ähnlich argumentiert, und dass das, was in der Bibel steht, doch für Christenmenschen bis heute bleibende Wahrheit (in welchem Sinne auch immer) bleiben müsse. – Ich stelle erstmal nur fest, dass unser Denken über die Bedeutung der Begriffe »Mann« und »Frau« mehrheitlich so ausgeprägt ist, dass diese bipolar und disjunkt gedacht werden. – Und: Das passt mehrheitlich, aber eben keinesfalls vollumfänglich. 

Bedeutungsrealisten, also diejenigen im Nominalismus-Realismus-Streit, die annehmen, dass es so etwas wie eine »Bedeutung« des Begriffes »Mann« bzw. »Frau« (im Ideenhimmel oder wo auch immer) gäbe, fürchten, dass alles sinnvolle Sprechen den Abfluss heruntergespült werde, wenn man nun die Bedeutung offener fasst. – Ich selbst nehme keine Intention der Begriffe an, also nicht eine feste Bedeutung, sondern: Die Bedeutung des Begriffes »Frau«, das sind genau all die einzelnen Frauen, auf die der Begriff angewendet werden kann. – Also eine extensionale Semantik im Sinne Nelson Goodmans. Das klingt komplizierter als es gemeint ist: Wir sprechen von »der Frau da drüben am Nachbartisch im Café« und wenn es passt, dann weiß der Gesprächspartner, welche der beiden Personen nebenan ich bezeichne, denn die andere Person ist eben keine Frau, sondern z.B. ein Kind oder ein Mann. Er genügt völlig, dass der Dialog funktioniert. Mehr »Bedeutung« braucht es nicht. 

Diese Grundlagen sind mir wichtig und auch erforderlich für alles weitere ethische Denken, denn bei den Begriffen und ihren »Bedeutungen« fängt es an, dass große Unterschiede zwischen dem Denken-Über festzustellen sind. Wenn jemand also – selbst klar heterosexuell und glücklich in seiner Ehe – das eine oder andere an Ratschlägen gibt, dann droht, dass Gott so ähnlich wie er wird, denn die eigenen Konzepte und Vorstellungen werden oft und leicht als biblisch gedacht und verkauft. – Damit aber werden andere Denk- und Lebensweisen (implizit oder explizit) als nicht-biblisch (= abzulehnen) dargestellt. 

Für einige passt das, denn die denken und empfinden ebenso wie der Prediger. Und ihnen hilft die klare Richtung, um ihr eigenes Leben daran auszurichten. Sie nehmen sich die Predigt zu Herzen und kommen, wenn es gut geht, zu einer erfüllten und segensreichen Partnerschaft. Wenn das Konzept aber nicht passt, dann wird alles, was daraus gefolgert werden kann, schief und gefährlich. Es folgt alles von Depression bis Suizidversuch. Die Entkehrung (also das Sich-Abwenden-vom Glauben) ist noch eine der harmloseren Folgen, wenngleich ähnlich fatal. Geistlicher Totalschaden. – Nicht alles, was wir tun und denken, passt für andere.

Vielfalt

Positiv gesagt: Nicht alles, was wir tun und denken, muss für andere passen. Das ist eine Chance und keine Gefahr, wenn wir es so begreifen wollen. – Es erlaubt dem Prediger, sein »Ich« zu gebrauchen, ja, auch persönlich zu werden, ohne dass andere vereinnahmt oder ausgegrenzt werden. Allein: Das muss man wollen und sich bewusst machen, ohne zu verallgemeinern und übergriffig zu sprechen. 

Wohl gemerkt: Mir geht es hier weniger um »Identität« – dazu habe ich andernorts etwas geschrieben. Es geht mir um das Handwerkszeug unserer Entscheidungen. Die Konzeption, dass es so etwas gäbe, wie einen christlichen Lebensstil, der für alle passen müsse, das setzt einen Begriffsrealismus voraus und eine Konzeption, die Freudianer als Über-Ich bezeichneten. Die Hoffnung ist, dass in den Gemeinden usw. die Menschen diese Vorstellungen eines christlichen Lebensstils als Ich-Ideal annehmen und diesem nachstreben. So hoffen zumindest traditionellere Prediger vielfach.

Was folgt hieraus praktisch und theoretisch?

Ich schätze aus der Vielzahl ethischer, moralischer und meta-ethischer Werkzeuge je unterschiedliche für unterschiedliche Zwecke. Daher ist es m.E. nicht einfach, sich für eine Konzeption zu entscheiden. Ob ich in einem bestimmten Handlungsfeld eher einer präferenz-utilitaristischen Ethik zuneige, einer eudämonistischen, einer konsequentionalistischen oder einer deontischen (cf. https://de.wikipedia.org/wiki/Ethik), das hängt jeweils vom Dialog ab. Unterschiedliche Situationen bestehen etwa beim Anhäufen hoher Staatsschulden oder anderer »Obligationen« für zukünftige Generationen einerseits und der Entscheidung, ob Fleischverzicht die bessere Option ist für meine Ernährung.

Daher folgt für mich, dass ein mandatenethisches Vorgehen immerhin die Vorzüge bietet, sich einerseits nicht völlig zu verzetteln und andererseits je nach dem Handlungs- und Entscheidungszusammenhang in unterschiedlichen Bereichen unterschiedliche ethische Werkzeuge benutzen zu können.

Mir ist hierbei wichtig, dass ich das Sein nicht als die Grundlage für das Sollen ansehe. Vielmehr das, was im jeweiligen Dialog nicht als Sein, aber doch als nicht in Frage stehend angesehen wird. Das kann also einen anderen Satz an Annahmen enthalten, wenn ich in einer Kirche oder Gemeinde mit anderen entscheide, wir aber alle auf der Grundlage von »Verfassung, Lehre, Ordnung der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland« in der aktuellen Fassung entscheiden, hier gibt es mehr, das wir voraussetzen können. Wenn wir in der Nachbarschaftsinitiative entscheiden, und in meiner Nachbarschaft leben Atheisten, Muslim, Christen und viele andere mehr, dann steht uns vermutlich ein geringerer Satz an Annahmen gemeinsam zur Verfügung.

Ja, das sind Konzepte, die aus der Diskursethik (Habermas, Karl-Otto Apel cf. https://de.wikipedia.org/wiki/Diskursethik) herkommen, aber formal mehr von der Erlanger Dialogischen Logik (cf. https://de.wikipedia.org/wiki/Dialogische_Logik) geprägt sind. Zutreffend ist, dass all diese Arten des Nachdenkens den homo disputans, den Menschen voraussetzen, der so etwas im Gespräch klärt. In der vorfindlichen Welt ist oft nicht zutreffend. Wir haben sehr unterschiedliche Macht- und Einflusssphären, mit denen ein normativer Standpunkt schwierig ist (vgl. Julian Nida-Rümelin).

Praktisch stellen sich viele Fragen zu einer Entscheidung, während wir nicht einmal die Werkzeuge zur Verfügung haben. Teils sind wir zu jung, teils zu triebgesteuert, — die Alternative zu verantworteten Entscheidungen aber besteht nicht im Übernehmen der Entscheidungen, die andere einmal getroffen haben.

  • Deskriptive Normen bedeuten manchen mehr als anderen: Wenn acht Millionen Menschen die Corona-Warn-App heruntergeladen haben, mag das für einige ein Grund sein, zu sagen: Die kann ja nicht so schlecht sein, wenn schon so viele die App auf ihren Smartphones installiert haben. – Selbst wenn es 81 Millionen wären: Mir wäre das kein (mich überzeugendes) Argument. 
  • Injunktiven Normen (im Gebrauch Herwigs – nach dem indogermanischen Grund-Modus vgl. Injunktiv) hingegen bin ich sehr viel eher zugänglich (Gemeinwohl, Abwägung des Nutzens und Schadens bezogen auf andere und mich…) vgl. Ralph Hertwig, der in seinem Konzept, das politisch-gesellschaftliche Entscheiden nicht durch Nudges (Anstupser, etwa finanzielle Anreize usw.), sondern durch Boosting (hier geht es nicht um äußere Anreize, sondern eine gestiegen Selbstmotivation) befördern möchte. 

Nicht immer und nicht unter allen Umständen müssen wir Entscheidungen so absichern und so transsubjektiv begründen können (ich schreibe bewusst nicht intersubjektiv, weil ich auf den jeweiligen Diskurs/Dialog abstelle, ohne eine »Welt an sich« voraussetzen zu wollen).

Sprachspiele…

Die Entmythologisierung des biblisch orientierten Glaubens sei nach Rudolf Bultmann fast Allgemeingut geworden. Führe man die Entmythologisierung allerdings konsequent durch, dann bleibe biblisch nicht viel übrig. Berger macht einen Vorschlag, wie man sich eine Wirklichkeit vorstellen kann, die durch mehr als nur kausal orientierte Rationalität aufgebaut wird. Im Haus der einen Wirklichkeit könne man sich vier, untereinander verbundene Räume vorstellen: einen der Rationalität, einen der Emotionalität, einen der Kunst und Musik und schließlich einen der Religion. In jedem Raum gelten andere Spielregeln, alle sind aber gleich wirklich. Und alle vier Bereiche lassen sich rational beschreiben, wenngleich auch nicht auf einen rationalen Nenner bringen. Wunder stören demnach nicht unbedingt den Bereich des rational-logischen Denkens, wenn nur zugestanden wird, dass es Bereiche menschlicher Erfahrung gibt, die in ihrem Wesen nicht »vernünftig« sind. (Wiki-Artikel Klaus Berger Hervorhebungen durch mich, F.W.)

Das, was Klaus Berger hier beschrieben hat, ist ein Modell unterschiedlicher Sprachspiele (unterschiedlicher Räume), und in eine ähnliche Richtung denkt auch der oben genannte Nelson Goodman in seinem Buch »Sprachen der Kunst«. Wir sind nicht nur und nicht allein rational. — Vor allem haben wir die Zeit, alle ethischen Entscheidungen gemäß aller Regeln rationaler Entscheidungskunst durchzuspielen. Das geht uns selbst so im Privaten. Aber es gilt fast noch mehr für den Bereich der politischen Ethik. Wir sind eben nicht nur disputierende Menschen (homini disputendi s.o.) — der Lebensstil des Sokrates setzt voraus, dass andere viele sonstige Arbeiten erledigen, so dass er Gespräche führen kann.

Wenn wir von der Grundannahme des Dialogs, dem Dienst am anderen, dem Gott-eine-Freude-Machen ausgehen, dabei informiert und nicht allein selbstbezogen entscheiden, ist schon einiges gewonnen. Im Zweifel sollten wir bereit sein, unsere Entscheidungen zu begründen, und dann helfen all die genannten ethischen Konzepte. Es ist wie im Straßenverkehr: Wir handeln meist unbewusst, hoffentlich richtig. Aber niemand denkt (nach der Fahrschule) drüber nach, wann und wie das Kupplungspedal losgelassen wird. Wir handeln. — Gut ist es aber, dieses Handeln (und auch den Gebrauch der Kupplung) auf Nachfrage erläutern zu können.

Wer hier eine praktische christliche Ethik in knapp 2000 Wörtern erwartet, den muss ich enttäuschen. Es geht mir hier (anderes kann noch kommen) weniger darum, was zu tun ist. Abgesehen davon, dass das unterschiedlich ist für verschiedene Menschen. Es geht mir um die Vermeidung der groben Fehler, die oft aus dem Unterschied zwischen Gut-Gemeint und Gut-Gemacht sich ergeben. Wie oben bei der traditionellen Predigt über die (traditionelle) Ehe. Ich gönne dem Pastor und allen, die in genau solchen Beziehungen leben, dass sie das genießen und sich darin glücklich und beglückend für die/den Partner/in empfinden. Die Herausforderung besteht bei den paar Prozent, bei denen das Modell nicht passt.

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denkende Nachfolge… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/16/denkende-nachfolge/ https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/06/16/denkende-nachfolge/#respond Tue, 16 Jun 2020 12:37:42 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=323 Denkende Nachfolge ist ein Gegengedanke zu den Ratlosigkeiten, die die dialektische Theologie (Karl Barth und weiter dann Reinhold Niebuhr) uns zumutet. — Darum hat das Zitat Botho Strauß’ aus »Paare, Passanten« für mich eine doppelte Bedeutung. Einmal bricht Strauß mit dem klassischen Erzählen. Für mich bedeutet es aber auch einen Bruch mit dem theologischen Denken […]

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Denkende Nachfolge ist ein Gegengedanke zu den Ratlosigkeiten, die die dialektische Theologie (Karl Barth und weiter dann Reinhold Niebuhr) uns zumutet. — Darum hat das Zitat Botho Strauß’ aus »Paare, Passanten« für mich eine doppelte Bedeutung. Einmal bricht Strauß mit dem klassischen Erzählen. Für mich bedeutet es aber auch einen Bruch mit dem theologischen Denken wie es Barth und Niebuhr betrieben.

Klassisch-fromme Konzepte gehen nicht einmal so weit. Entweder bleibt unser Denken ganz in der Immanenz — und Gott ist transzendent. Oder wir sprechen (unzulänglich) vom »ganz anderen Gott« (mit Barth).

In Kirche nicht aufhören zu denken…

Wir brauchen nicht ein Ende unseres Denkens, da, wo wir mit Gott und dem Heiligen zu tun bekommen. Vielmehr brauchen wir genau das Gegenteil: Alle unsere anvertrauten guten Gaben, unser Verstand, unsere Empfindung, alle sind Gaben Gottes, die wir in rechter Weise gebrauchen sollten.

Leider ist es noch immer eher anders. So, dass viele einzelne Christenmenschen und auch manche Kirchen und Gemeinden voraussetzen, dass mit dem Betreten des heiligen Bereiches wir auch einen Schritt zurück, zumindest bis vor die Aufklärung machen. Vorfindlich ist in der frommen Szene eher folgendes:

  • »gedankenlose Nachfolge«,
    — Viele schalten den Verstand ab, wenn sie sich als Christ zu verstehen beginnen. Sonst denken sie schon, im Alltag, im Beruf, bei all diesen Entscheidungen sind die Verstandesgaben vorhanden. Wer als Absolvent eines Hochschulstudiums (in einem Beruf oder sonstwo) vieles gelernt hat, kann denken. Etliche schalten dies in Glaubenssachen vorsätzlich ab.
  • »Nachfolge wider besseres Wissen und Denken«,
    — So viele gibt es, bei denen die Vermittlung zwischen der Predigt am Sonntag, dem Wunsch nach einem klaren, einfach-fassbaren Weltbild, und dem Alltag an den anderen Tagen der Woche nicht gelingt. Beide Bereiche stehen unvermittelt nebeneinander. — Daher ist »Glaube am Montag« ein Thema in vielen Gemeinden. — Allein: Es ist ja kein Unglaube am Montag vorhanden, sondern ein Weltbild am Sonntag, das vielfach nicht für den Alltag passt.
  • »Pastor befiehl, wir folgen« und
    — Allzu oft wird die Welt schwarz und weiß gezeichnet, ohne Zwischentöne. Handlungen und Gedanken werden nach »christlich« und »Sünde« sortiert. Natürlich liebt Christus die Sünder, aber das merken die schon nicht mehr, weil sie sich als ausgegrenzt wahrnehmen, und dann von selbst wegbleiben. Selbst gut gemeinte Konzepte und Theologien verletzen immer wieder. Es gibt zahllose Opfer. Die Familienhilfe — etwa in Freistatt und vielen anderen Einrichtungen — bietet beredte Beispiele.
  • tradierte Rezepte, die befolgt werden, obwohl sie nicht mehr passen.
    — Hierbei geht es darum, dass alle sehen können, dass vieles so nicht mehr funktioniert. Niemand aber sagt das. Man macht weiter wie gehabt, bis keine Chance mehr zum Umsteuern besteht. So führt sich manche Gemeinde, manche diakonische Einrichtung aus gedanklicher Bequemlichkeit zum eigenen Ende, statt sich bei Zeiten zu erneuern. Gerade auch im Blick auf Gottes Auftrag für eine bestimmte Zeit. Das kann sich ändern! Eben dazu haben wir unsere Geistesgaben.

Es handelt sich um eben dies, wenn Bonhoeffer über die Dummheit schreibt. Es geht eben nicht um Bosheit und nicht um Torheit (also Erkenntnis-Unfähigkeit), sondern um eine Verdummung, die jemand (gerne) mit sich machen lässt, es geht um Verzicht aufs Denken aus Bequemlichkeit:

Dietrich Bonhoeffer Von der Dummheit

Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurück lässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos. Weder mit Protesten noch durch Gewalt lässt sich hier etwas ausrichten; Gründe verfangen nicht; Tatsachen, die dem eigenen Vorurteil widersprechen, brauchen einfach nicht geglaubt zu werden — in solchen Fällen wird der Dumme sogar kritisch — und wenn sie unausweichlich sind, können sie einfach als nichtssagende Einzelfälle beiseite geschoben werden. Dabei ist der Dumme im Unterschied zum Bösen restlos mit sich selbst zufrieden; ja, er wird sogar gefährlich, indem er leicht gereizt zum Angriff übergeht. Daher ist dem Dummen gegenüber mehr Vorsicht geboten als gegenüber dem Bösen.

Niemals werden wir mehr versuchen, den Dummen durch Gründe zu überzeugen; es ist sinnlos und gefährlich. Um zu wissen, wie wir der Dummheit beikommen können, müssen wir ihr Wesen zu verstehen suchen. Soviel ist sicher, dass sie nicht wesentlich ein intellektueller, sondern ein menschlicher Defekt ist.

Es gibt intellektuell außerordentlich bewegliche Menschen, die dumm sind, und intellektuell sehr Schwerfällige, die alles andere als dumm sind. Diese Entdeckung machen wir zu unserer Überraschung anlässlich bestimmter Situationen. Dabei gewinnt man weniger den Eindruck, dass die Dummheit ein angeborener Defekt ist, als dass unter bestimmten Umständen die Menschen dumm gemacht werden, bzw. sich dumm machen lassen. Wir beobachten weiterhin, dass abgeschlossen und einsam lebende Menschen diesen Defekt seltener zeigen als zur Gesellung neigende oder verurteilte Menschen und Menschengruppen. So scheint die Dummheit vielleicht weniger ein psychologisches als ein soziologisches Problem zu sein. Sie ist eine besondere Form der Einwirkung geschichtlicher Umstände auf den Menschen, eine psychologische Begleiterscheinung bestimmter äußerer Verhältnisse.

Bei genauerem Zusehen zeigt sich, dass jede starke äußere Machtentfaltung, sei sie politischer oder religiöser Art, einen großen Teil der Menschen mit Dummheit schlägt. Ja, es hat den Anschein, als sei das geradezu ein soziologisch-psychologisches Gesetz. Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen. Der Vorgang ist dabei nicht der, dass bestimmte — also etwa intellektuelle — Anlagen des Menschen plötzlich verkümmern oder ausfallen, sondern dass unter dem überwältigenden Eindruck der Machtentfaltung dem Menschen seine innere Selbständigkeit geraubt wird und dass dieser nun — mehr oder weniger unbewusst — darauf verzichtet, zu den sich ergebenden Lebenslagen ein eigenes Verhalten zu finden.

Dass der Dumme oft bockig ist, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass er nicht selbständig ist. Man spürt es geradezu im Gespräch mit ihm, dass man es gar nicht mit ihm selbst, mit ihm persönlich, sondern mit über ihn mächtig gewordenen Schlagworten, Parolen etc. zu tun hat. Er ist in einem Banne, er ist verblendet, er ist in seinem eigenen Wesen missbraucht, misshandelt. So zum willenlosen Instrument geworden, wird der Dumme auch zu allem Bösen fähig sein und zugleich unfähig, dies als Böses zu erkennen. Hier liegt die Gefahr eines diabolischen Missbrauchs. Dadurch werden Menschen für immer zugrunde gerichtet werden können. Aber es ist gerade hier auch ganz deutlich, dass nicht ein Akt der Belehrung, sondern allein ein Akt der Befreiung die Dummheit überwinden könnte. Dabei wird man sich damit abfinden müssen, dass eine echte innere Befreiung in den allermeisten Fällen erst möglich wird, nachdem die äußere Befreiung vorangegangen ist; bis dahin werden wir auf alle Versuche, den Dummen zu überzeugen, verzichten müssen.

In dieser Sachlage wird es übrigens auch begründet sein, dass wir uns unter solchen Umständen vergeblich darum bemühen, zu wissen, was »das Volk« eigentlich denkt, und warum diese Frage für den verantwortlich Denkenden und Handelnden zugleich so überflüssig ist — immer nur unter den gegebenen Umständen. Das Wort der Bibel, dass die Furcht Gottes der Anfang der Weisheit sei (Psalm 111,10), sagt, dass die innere Befreiung des Menschen zum verantwortlichen Leben vor Gott die einzige wirkliche Überwindung der Dummheit ist. Übrigens haben diese Gedanken über die Dummheit doch dies Tröstliche für sich, dass sie ganz und gar nicht zulassen, die Mehrzahl der Menschen unter allen Umständen für dumm zu halten. Es wird wirklich darauf ankommen, ob Machthaber sich mehr von der Dummheit oder von der inneren Selbständigkeit und Klugheit der Menschen versprechen.

(* Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge — S.14ff *)

Ein außergewöhnlicher Lasterkatalg (nein, keine Nutzfahrzeuge)

Eine meiner Lieblingsstellen im Neuen Testament ist Markus 7,21–23:

21 Denn aus ihm selbst, aus seinem Herzen, kommen die bösen Gedanken und mit ihnen Unzucht, Diebstahl und Mord; 22 Ehebruch, Habsucht und Niedertracht; Betrug, Ausschweifung und Neid; Verleumdung, Überheblichkeit und Unvernunft. 23 All das kommt aus dem Inneren des Menschen und macht ihn unrein.

In einem einzigen neutestamentlichen Lasterkatalog taucht die »Unvernunft« auf, und sie steht gleichsam gleichrangig neben Ehebruch und Mord, Habsucht und Niedertracht etc. — Wenn Bonhoeffer recht hat, dann ist die Dummheit eben kein »nicht-Denken-Können«. Es handelt sich vielmehr um eine Entscheidung aus Bequemlichkeit. Ja, es gibt viele, die die Dummheit anderer gerne sehen und diese befördern. Aber es braucht auch die, die sich verdummen lassen.

Bonhoeffer zitiert Psalm 111,10: »Den HERRN stets ernst zu nehmen, damit fängt alle Weisheit an.« (so die Gute Nachricht). »Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Weisheit.« (Lutherbibel) Dieses Lob der Weisheit zieht sich durch viele der alttestamentlichen Texte: In Sprüche 1 werden Einsicht, echte Bildung, Weisheit gelobt, und zwar als Gottes Gaben. Ja, mir ist bewusst, dass die so genannte »Krise der Weisheit«, also etwa das Buch Prediger/Kohelet oder Hiob auch die Grenze der Weisheit benennen. Psalm 139 etwa (und Prediger, Psalmen usw.) stellen klar, wie wenig wir erkennen können.

Werkzeuge haben Anwendungsfälle — und Grenzen ihrer Eignung

Wie bei jedem Werkzeug muss man die rechte Anwendung kennen, die Zwecke, zu denen es eingesetzt werden kann, und dann auch die Grenzen, die Fälle, in denen dieses Werkzeug nichts nützt. Kirchen und Gemeinden, die die Mittel nutzen, die zur Verfügung stehen, tun gut daran. Ohne den Buchdruck hätte die Reformation so nicht stattfinden können. Heute steht das Internet mit Blogs, Podcasts und Youtube und manchem mehr zur Verfügung. Sollten wir das nicht nutzen?

Noch zwei Hinweise auf denkende Nachfolge: Die Briefe im Neuen Testament argumentieren. Sie appellieren, aber nicht aufgrund sonstiger Autorität, sondern vor allem aufgrund der angebotenen Modelle, wie vom Glauben gedacht und entsprechend gehandelt werden kann. Stellvertretend nenne ich den Römerbrief, in dem Paulus für seine Theologie wirbt, für sein Denken über Gott und die Menschen. — Jesus lehrt in Vollmacht (Markus 6,2 z.B.), was die Menschen aus Nazaret verblüfft. Er ist doch aus einfachen Verhältnissen, aus einer Zimmermanns-Familie. Wieso  kann der so lehren? Die Leute beurteilen das, was sie hören, und zwar indem sie es in Verbindung zu dem bringen, was sie kennen. — Denkendes Beurteilen.

Noch etwas zum Thema der denkenden Nachfolge bzw. der Dummheit: Im 1. Petrus 2,15: »Denn Gott will, dass ihr durch eure Taten alle zum Schweigen bringt, die aus Dummheit und Unwissenheit gegen euch reden.« — Hier argumentiert der Autor des Briefes, dass die Empfänger durch ihr Handeln, ihre gelebte Ethik, die zum Schweigen bringen sollen, die aus Unwissenheit und gedanklicher Bequemlichkeit gegen die Christen reden. Unwissenheit und Dummheit, das sind reale Gefahren — in heutigen Christenverfolgungen, bei Hasskriminalität hier oder anderswo.

Falsifizierbarkeit und historischer Kontext: Gamaliel

Denkende Nachfolge weiß um ihre Möglichkeiten und ihre Grenzen. Und wenn die Dinge sauber gedacht und formuliert werden, dann liefert man die Kriterien mit, an denen sich zeigt, ob ein Gedanke falsch ist, unhaltbar. So wie Gamaliel, der Lehrer des Paulus, ein Pharisäer im Hohen Rat in Apostelgeschichte 5,33ff.

Er weiß um die Vorkommnisse in der Geschichte. Er weiß auch, dass sich die meisten von selbst erledigt haben. Sie waren eben nicht von Gott eingesetzt. In solchen Fällen genügt es abzuwarten. — Wenn es mit dieser neuen Gruppe der »Christen« ebenso ist, dann braucht man keine Gewalt, das Problem würde sich von selbst erledigen. Wenn es aber tatsächlich eine von Gott gewollte Bewegung ist, dann kann man die ohnehin nicht aufhalten.

»[…] Geht nicht gegen diese Leute vor! Lasst sie laufen! Wenn das, was sie wollen und was sie da angefangen haben, nur von Menschen kommt, löst sich alles von selbst wieder auf. 39 Kommt es aber von Gott, dann könnt ihr nichts gegen sie machen. Wollt ihr am Ende als Leute dastehen, die gegen Gott kämpfen?« (Apostelgeschichte 5,38f, GNB)

Er bietet aber noch mehr an: Ein Kriterium der Prüfung der Falsifizierbarkeit des Anspruchs der jungen Christen, dass Jesus der verheißene Messias bzw. Christus sei. Einfach abwarten. Auch wenn hier keine ausdrückliche Zeitangabe genannt ist, lässt sich aus den genannten historischen Beispielen doch ablesen, dass es um einige Jahrzehnte geht.

Dieser Mut des Gamaliel, ein Verfahren anzubieten, das in einer ungewissen Situation eine Entscheidung des Hohen Rates begründen kann, ist ungewöhnlich. Die Mehrzahl der Diskussionsbeiträge (die uns nicht überliefert sind) werden eher politischer Natur gewesen sein. Schließlich fürchtete der Hohe Rat um seine theologische Deutungshoheit, denn die Christen erregten Aufsehen und hatten gewaltige Wachstumsraten, die wir uns heute nur wünschen können.

Koinzidenz ist keine Ursache-Wirkung-Beziehung

Wir erleben einen Rückgang in christlichen Kirchen und Gemeinden. Sowohl die Menschen, die sich als zugehörig verstehen, werden weniger, als auch die Anzahl derjenigen, die mitarbeiten und sich einbringen, ja, sogar die Anzahl derjenigen, die an Jesus als den Christus glauben, sinkt.

Zu gleicher Zeit gab es von deutschen Universitäten viele Antworten auf Fragen, die sich in Gemeinden nicht stellten. Allgemein fanden viele »Fromme« insbesondere die so genannte »historisch-kritische Methode« der Auslegung biblischer Texte, aber auch das Programm der »Entmythologisierung« (Rudolf Bultmann) unerfreulich und nicht glaubensfördernd. Diese gemeindliche Kritik an manchen Themen universitärer Theologie fand einen gewissen Höhepunkt in den Kontroversen um Gerd Lüdemann, den gewesenen Göttinger Neutestamentler, der fand, die Auferstehung nicht annehmen zu können.

Gewiss sind diese Konzepte eines Nachdenkens über Inhalte, Zeugnisse und Methoden des frühen Christentums nicht darauf optimiert, den Gemeinden maximalen Nutzen zu bringen. Und doch: Es geht ja auch anders. Wer eine Gleichzeitigkeit mit einer Ursächlichkeit verwechselt, arbeitet unsauber. Ja, es gibt diese Theologien. — Ja, es gibt einen Rückgang der Anzahl derjenigen, die sich als Christen verstehen. Ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang wäre aber noch zu belegen.

Ich sehe eine ganze Anzahl anderer Konzeptionen theologischen Denkens, die ich als sehr wohl hilfreich ansehe. Das aber wäre ein Thema für einen anderen Artikel. Mir fällt bloß auf, dass es eine Art von »Furcht vor Universitäts-Theologien« aus der frommen Ecke gibt, die ich nicht nachvollziehen kann. Schlechte Theologien, die in die gedankliche Ausweglosigkeit führen, sind ein Anreiz, gründlich und weiter zu denken. Eben nicht stehenzubleiben.

Mit anderen Worten: Die Lösung für nicht hilfreiches Denken besteht nicht darin, das Denken einzustellen oder auf einen Stand von vor der Aufklärung zurück zu drehen. Vielmehr sollten wir danach suchen, wo es hilfreiche Gedanken gibt, die in Gebrauch genommen und möglicherweise weiter entwickelt werden können. Solche sind vorhanden. Bloß nicht zu früh resignieren. Früher war eben nicht alles besser, es war bloß anders. — Bei einer Blinddarm-Operation käme ja auch niemand auf die Idee, diese mit »historischen Instrumenten« in »historischer Aufführungspraxis« ausführen zu lassen.

Pragmatisch — statt nach Wirklichkeit zu fragen…

Wofür und zu welchen Zwecken brauchen wir überhaupt eine Theologie aus der Sicht der Gemeinden bzw. einzelner Christenmenschen? — Meine Einschätzung: Zur Entscheidung in Streitfragen, zur Reduktion auf die je unterschiedlichen (entweder) Annahmen (oder) Methoden, wie (ausgehend von den Annahmen) jemand zu Schlüssen gelangt. Es geht also nicht darum, auszusagen, wie die Welt ist, wie Gott ist oder der Mensch. Es geht vielmehr um gültige Schlüsse aus gemeinsam anerkannten Annahmen.

Ferner geht es um eine angebbare Position, die formuliert werden können sollte. Wenn eine Gemeinde z.B. die Glaubenstaufe praktiziert, sollte sie sagen können, warum sie dies tut und erwartet, gerade wenn es um den Dialog mit Menschen geht, die möglicherweise als Kleinkinder getauft wurden und bei denen sich nun die Frage stellt, ob sie sich »wiedertaufen« lassen sollen oder ob die Kindertaufe eben keine Taufe (im eigentlichen Sinne des Wortes) war. — Angebbare Positionen helfen auch im Kirchenlichen Unterricht, in der Katechese, im Konfirmationsunterricht. Man muss ja sagen können, was hier geglaubt wird.

Sagen zu können, was ich glaube, das hilft auch beim Dialog zwischen Christenmenschen etwa in einem Haus- oder Bibelkreis. In einer solchen Gruppe bin ich (als Methodist) mit einem russisch-orthodoxen, einigen ev.-luth. und einem reformierten Christen. Für unsere Zwecke genügt es, den Raum des Verstehens biblischer Texte zu beschreiben. Wer da nun absolut richtig liegt, interessiert mich nicht nur nicht, ich halte es nicht einmal für entscheidbar, und also für eine »Scheinfrage«.

Zwei biblische Texte zum Abschluss

Zum Schluss zurück zu zwei biblischen Texten, die beide bereits am Anfang vorkamen:

»[…] Nichts, was der Mensch von außen in sich aufnimmt, kann ihn unrein machen. Nur das, was aus ihm herauskommt, macht ihn unrein!« (Markus 7,15)

ich meine, dass das auch für die Gedanken gilt, die ich höre, lese, prüfe, quasi verdaue. Vieles ist ohne Nährwert und es wird wieder ausgeschieden.

»Aber das«, fuhr er fort, »was aus dem Menschen selbst herauskommt, das macht ihn unrein! 21 Denn aus ihm selbst, aus seinem Herzen, kommen die bösen Gedanken und mit ihnen Unzucht, Diebstahl und Mord; 22 Ehebruch, Habsucht und Niedertracht; Betrug, Ausschweifung und Neid; Verleumdung, Überheblichkeit und Unvernunft. 23 All das kommt aus dem Inneren des Menschen und macht ihn unrein.« (Markus 7,20–23)

Gedankliche Bequemlichkeit ist eine Gefahr, Niedertracht, Ausschweifung, Überheblichkeit, klar. Wir können unsere gesamten Geistesgaben verbrecherisch nutzen (wie alle anderen Gaben). Und deshalb ist es um so wichtiger, dass Weisheit und Erkenntnis, die Gott schenken und wachsen lassen möge, unsere Ausrichtung bei allem Denken bleiben. Es geht schließlich nicht ums »Denken an sich«, sondern um Nachfolge, aber um eine solche, die denkend geschieht.

23 Durchforsche mich, Gott, sieh mir ins Herz, prüfe meine Wünsche und Gedanken! 24 Und wenn ich in Gefahr bin, mich von dir zu entfernen, dann bring mich zurück auf den Weg zu dir! (Psalm 139,23f)

F.W., 14.–16. Juni 2020

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Das fragen mich immer wieder unterschiedliche Menschen. Warum denn noch etwas, wenn es bei Youtube und auf Blogs schon vieles gibt? Ja, es gibt viel. Das deckt sich mit meiner Wahrnehmung. Das meiste beginnt bei der Feststellung, dass Kirchen und Gemeinden, vielleicht auch der Glaube insgesamt, in einer Krise stecke. – Und es folgt, woran das liege: An moderner Theologie, an mangelndem Vertrauen zur biblischen Botschaft… Kurz gesagt: Es liegt an uns, und der Gedanke vom »Rest« (wie bei der nach-exilischen Prophetie) greift Raum: Wir sind die Frommen, die, die sich nicht von Gott abwenden, weil wir z.B. am Bekenntnis festhalten, weil wir die historisch-kritische Methode als »Teufelswerk« erkannt haben usw.

Allen, die das so denken, kann ich gratulieren. In dieser Richtung denken viele – übrigens auch Gemeinden. Ihr könnt euch aussuchen, wo Ihr andockt, im richtigen Leben und auch im Internet. Für rund 90 % aller Frommen passt das möglicherweise. Die dürfen sich freuen. Sie haben keinen Mangel. Ich möchte euch nicht davon überzeugen, dass eure Sicht falsch wäre. Wenn sie für euch passt: Prima. — So postmodern bin ich. 😉

Für die übrigen 10 % aber, für die es keinen Weg zurück zu einem vor-aufgeklärten Glauben gibt, die aber das Kind eben nicht mit dem Bade ausschütten möchten, für die ist diese Website gemacht und alles, was damit zusammenhängt.

In der Beschreibung der Lage, dass nämlich zunehmend weniger Menschen mit Gott in Kontakt kommen, sind wir uns alle einig. Bei den angenommenen Ursachen dafür aber beginnen die Unterschiede. Stets ist es einfacher, etwas, das vorfindlich ist, auf Ursachen zurückzuführen, als etwas, das nicht da ist; für letztes kommt fast alles als Ursache in Frage. Wenn also eine Gemeinde funktioniert, dann lässt sich oft sagen, was sie richtig macht. – Zumindest für die, die sie erreicht. Gott ist dabei ein wichtiger Faktor: Er kommt vor. Er ist das Proprium, das Spezifische, das diese Gemeinde von einem Verein oder einer Volkshochschule unterscheidet.

Viele Gemeinde bemühen sich, alle anzusprechen, und so erreichen sie niemanden. Wer aber die eigene Nische zu eng wählt, begrenzt das Wachstum bereits im Vorfeld.

Wenn das zutreffen sollte, dann muss ein Angebot, eine Form, … stets für jemanden passen. Definiert aber auch die Grenzen. Ein liturgischer Gottesdienst ist nicht barrierefrei. Ein lauter Gottesdienst mit Musik unter allem, der grenzt etwa Hörgeräteträger aus. Und so weiter.

Dass es den meisten weniger um Theologie geht, sondern mehr ums Christ-Sein, zeigt sich daran, dass die meisten neuen Gemeinden oder christlichen Gruppen sich als nach-konfessionell verstehen. Selbst sagten sie: »Uns geht es um Gott…«, aber das meint dasselbe. Damit geht es eben nicht um eine im Detail geklärte Abendmahlstheologie, über die sich Lutheraner und Reformierte ausführlich streiten können.

Alle geben die Bibel als Grundlage an, aber spätestens bei der Auslegung gibt es hermeneutisch-methodische Unterschiede: Was ist eine zulässige Auslegung? Was macht die »Mitte der Schrift« aus? Oft wird das nicht definiert, es ist mehr vorfindlich, damit ungeklärt und so, wie der Pastor oder die Gemeindeleitung es eben machen, weil sie es selbst so kennengelernt haben. – Gleichsam mystische »mündliche Tora«.

Wir haben also zwei Gruppen von Unerreichten:

  • Die Heiden, die entweder nie mit dem Glauben in Kontakt kamen oder für die das kein Lebensmodell ist. Das sind auf die gesamte Gesellschaft gerechnet die meisten.
  • Außerdem die, die mit Gott sehr wohl zu tun haben, die aber oft an Gemeinden und christlichen Gruppen scheitern, weil sie sich deplatziert fühlen.

Die erste Gruppe gilt es zu erreichen mit dem Evangelium. – Die zweite ist es, an die sich diese Seite richtet. Es gibt so etwas wie eine temporäre Schnittmenge: Das sind die, die (noch) glauben, aber im Begriff stehen, sich zu entkehren, also den Glauben zu verlieren. Ein größeres Thema gerade bei jungen Erwachsenen, die möglicherweise einen frommen Hintergrund mitbringen, aber merken, dass die alten Schuhe nicht recht passen. Und die noch keine neuen gefunden haben.

All denen gilt:

  1. Es liegt nicht an dir. Weder daran, dass du zu kritisch fragtest, noch daran, dass du so »merkwürdig« bist und also in keine Gruppe passtest. – Vielmehr müssen wir viel mehr und gründlicher fragen!
  2. Es liegt auch nicht an den anderen, denn die meinen es (in der Regel) gut, sie haben bloß keine Rezepte, die für dich und deine Bedürfnisse und deinen Geschmack passen würden.
  3. Gemeinden, Gruppen, Kreise müssen sich definieren, das aber heißt: Es gibt eine Grenze. Man kann aus dieser Grenze hinauswachsen.
  4. Der Unterschied zwischen Gemeinden, Gruppen und Kreisen einerseits und Gott andererseits ist, dass es für ihn keine Begrenzungen gibt. – Es geht also, Christ zu sein, auch dann, wenn Du in Gemeinde oder Gruppe nicht passt. Das muss nur anders gelebt und organisiert werden.
  5. Früher hatten wir eine etablierte Infrastruktur: Kabel zu jedem Telefon. Heute haben wir ad-hoc-Netzwerke. Warum aber haben wir Smartphones aber noch immer Gemeinden, statt christlicher ad-hoc-Netzwerke. Ökumenisch, überkonfessionell, projektbezogen? Klar, das gibt es seit einigen Jahren auch, aber es ist eher die Ausnahme.

An die Menschen, die sich entweder in der christlichen Community fehl am Platze fühlen oder gar davor stehen, sich vom Glauben abzuwenden, weil Gemeinschaft fehlt, an die richtet sich diese Seite und alles, was damit zusammenhängt.

Das sind vielleicht 10 % der Frommen, es sind aber gerade die, die gebraucht werden: Denn einen Weg zurück in ein vor-modernes Denken wird die Gesamtgesellschaft nicht mitmachen. Wenn also in die Gesellschaft hinein und zu den Menschen das Evangelium kommen soll, und zwar gerade auch zu denen, die denkerisch eher vorneweg sind, dann braucht es die, die den Eindruck haben, dass sie aus den traditionellen Glaubens-Schuhen herausgewachsen sind. Mit beiden Füßen auf dem Boden des Evangeliums, aber deshalb nicht abgehoben. Kurz gesagt: Es braucht dich und mich.

Die 90 % traditionellen Frommen braucht es auch. Aber: Für die sind andere Angebote gemacht. Da gibt es bereits reichlich.

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Beim Evangelium sind wir längst in der Postmoderne… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/04/28/beim-evangelium-sind-wir-laengst-in-der-postmoderne/ Tue, 28 Apr 2020 08:26:37 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=126 Früher ging man in seine Gemeinde, der jeweilige Pastor predigte das Evangelium gemäß der »von oben« festgelegten Predigttexte (= Perikopenreihen). Für die, die nicht mehr zu den Gottesdiensten konnten (weil gebrechlich) gab es Fernsehgottesdienste. Auch die folgten den Ordnungen, mit leichten Unterschieden je nach Landeskirche. Für die, denen das nicht reichte, gab es den esoterischen […]

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Früher ging man in seine Gemeinde, der jeweilige Pastor predigte das Evangelium gemäß der »von oben« festgelegten Predigttexte (= Perikopenreihen). Für die, die nicht mehr zu den Gottesdiensten konnten (weil gebrechlich) gab es Fernsehgottesdienste. Auch die folgten den Ordnungen, mit leichten Unterschieden je nach Landeskirche.

Für die, denen das nicht reichte, gab es den esoterischen »Evangeliumsrundfunk« über Mittelwelle/Kurzwelle (stark verrauscht); und Freikirchen gab es auch, sie standen den Sekten nahe, so die allgemeine Auffassung.

Heute haben wir — binnen einer Generation — eine Vielfalt wie nie: Das ist kultureller Wandel durch technischen Fortschritt. Satellitenfernsehen brachte auch hier zu uns Fernsehprediger und bibel.tv. Das Internet bietet mit zahlreichen Kanälen bei Youtube, christlichen Blogs, Podcasts usw. ein gewaltiges Spektrum an christlichen Positionen. Dem sind wir Nachfolgende ausgesetzt. Müssen uns einen Weg durch den Dschungel bahnen (bitte ohne Machete), so dass es für uns und unseren Glauben passt.

In einer mittleren Stadt wie Hannover gibt es viele neue, freie Gemeinden, auch gerade solche, die sich keiner Konfession oder Denomination zuordnen lassen, sondern sich vielmehr über einen Stil definieren. Post-konfessionell, das heißt: Christ sein ohne letzte Klarheit bei Lehrinhalten — und es ist eine Reaktion auf kleinteiligste Streitereien in der Kirchengeschichte.

Was machen wir mit dem endlosen Sprechen, dem »fürchtet euch nicht«? Wir können zu jeder Zeit einen erwecklichen Podcast hören, begleitet Bibellesen, haben nicht unsere (eine) Bibel, sondern bei bibleserver.com eine Vielfalt sonder gleichen.

Führt das alles zu unserem Abschalten? Hören wir noch Gott in all den Stimmen, ihrem Durcheinander und Gegeneinander? »Du hast zwar mal geschrieben, wir soll’n uns alle lieben, bedenke aber, dass wir nicht Korinth sind.« — So dichtete Eckard zur Nieden.

Risiken und Gefahren der Vielfalt

  • Wir können jederzeit jemanden finden, der in fast allem unsere eigene Position (und sei sie noch so abwegig) bestätigt. Wenn es alles gibt, relativ unsortiert bzw. bloß durch Facebooks Algorithmen uns zugeordnet, dann kann es sein, dass wir in einer Filterblase unsere christliche Existenz fristen.
    Kritik hören wir nicht einmal mehr, weil sie uns nicht erreicht, und wenn doch: Siehe oben.
  • Atomisierter Glaube meint so viel wie: »Gott und ich.« — die anderen, die Gemeinde oder Gemeinschaft der Geschwister, das kommt nicht in dem Sinne vor. Es kann dazu führen (und tut dies bereits), dass Menschen zu keiner Gemeinde gehen oder sich halten, weil sie überall Fehler sehen. Sicher zu recht, denn nichts ist vollkommen. Allein: Das war immer so. Es wird auch so bleiben. Wenn ich aber bloß mit einem z.B. YouTube-Kanal Gemeinschaft habe, ist das medial sehr vermittelt. Für mich ist es nicht, was ich mir wünsche.
  • Wenngleich nicht alles gut ist beim öffentlichen Schulwesen, so ziehe ich dies doch dem »home schooling« deutlich vor, weil es die anderen gibt, weil es Konflikte und Meinungsverschiedenheiten gibt, und Konflikte lösen zu lernen eine gute Praxis ist, und zwar gleichermaßen für Gemeinde wie für Schule.
  • Formen und Lehren entwickeln sich, und zwar meist in der und durch die Auseinandersetzung. Wenn ich vom christlichen Menü bloß bestelle, was ich kenne, und das, von dem ich weiß, dass es mir schmeckt, dann gibt es keine Entwicklung (mehr). — Zum Nachteil für alle.
  • Zur Nachfolge gehört auch die Sendung, das Weitersagen. Dieses »von-Mensch-zu-Mensch« (mit einem Buchtitel von Albrecht Goes von 1967, in dem er u.a. über die Unterschiede von schriftlicher Kommunikation gegenüber der direkten nachdenkt — etwa über Missverständnisse im Brief…) wird kaum direkt, sondern stets vermittelt erfolgen, wenn man selbst im hoch-individualisierten Schneckenhaus-Glauben lebt.

Aber es gibt auch klare Chancen:

Einige Chancen der Postmoderne fürs Christsein

  • Es weitet den Blick, wenn wir nicht bloß die Predigten in der Ortsgemeinde hören. – Vielfalt kann beleben und das Bild vervollständigen.
  • Gerade auch da, wo es dürre Predigt bzw. kaum Input gibt, gibt es einen oder mehrere Plan‑B.-Ansätze, wenngleich medial vermittelt.
  • Globalisierung betrifft nicht allein unsere Lieferketten; auch das Evangelium wird anders, wenn wir es aus den USA, Korea usw. hören oder sehen. – Nebenbei: Wenn zunehmend mehr Menschen, etwa der eigenen Reichweite wegen, in englischer Sprache predigen, lehren, …., so bewirkt das bei (nicht muttersprachlichen) Redenden wie Hörenden einen gewissen Verfremdungseffekt. Man sagt und hört etwas anders, wenn es nicht in der eigenen Sprache ist.
  • Diese Verfremdung kann uns das Evangelium nahebringen, näher als das manchmal allzu vertraute, bei dem wir weghören, weil wir es zu kennen meinen.
  • Ich komme kaum umhin, zwischen mir, meinen Formen usw. einerseits und dem Evangelium andererseits zu unterscheiden. Das führt dazu, dass ich sagen kann: Für mich ist das zu pfingstlich oder zu charismatisch. Ich sage aber nicht mehr »das ist falsch« oder »Irrlehre«.
  • Die Vielfalt kann den Blick schärfen auf das, was ich kann und möchte, auch hören kann und möchte. Andererseits merke ich, dass das nicht alles ist. Ich kann gönnen können — etwa anderen eine andere Art.

Wir haben keine Wahl: Die Situation ist wie sie ist. Wir werden uns in Corona-Zeiten mit weniger persönlichen Gottesdiensten und mehr medialer Vermittlung nur eher dessen bewusst, welche Vielfalt der Inhalte und Vermittlungswege der Geist gibt. Ein verantwortlicher Umgang ist ein selektiver: Was tut anderen und mir gut? Ich muss nicht alles mitmachen, aber es ist dennoch gut, dass es so vieles gibt.

So jedenfalls meine derzeitige Erkenntnis.

 

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Kritische Gedanken zum Konzept der Losungen https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/03/25/kritische-gedanken-zum-konzept-der-losungen/ Wed, 25 Mar 2020 07:06:28 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=118 Dass biblische Texte die Erfahrungen von Menschen, die sie mit Gott gemacht haben, darstellen für uns Spätere, ist unstrittig. Die Praxis, die Bibel als eine Art Orakel zu verwenden (was sich auch via die Krücke des Heiligen Geistes, der den Finger und das Aufschlagen des Buches schon leiten werde), finde ich aber mitunter bedenklich. Das […]

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Dass biblische Texte die Erfahrungen von Menschen, die sie mit Gott gemacht haben, darstellen für uns Spätere, ist unstrittig. Die Praxis, die Bibel als eine Art Orakel zu verwenden (was sich auch via die Krücke des Heiligen Geistes, der den Finger und das Aufschlagen des Buches schon leiten werde), finde ich aber mitunter bedenklich.

Das hat damit zu tun, dass einmal die Herrnhuter eine entsprechende Auswahl aus der gesamten Bibel geschaffen haben, die dann entsprechend in Gebrauch genommen werden, einige Verse als Monatssprüche, andere für die Losung (also nur alttestamentliche Verse), denen dann – auch wieder ausgewählt – aus dem Neuen Testament ein Vers beigegeben wird.

Sicher kann es nicht schaden, wenn Christenmenschen oder andere biblische Texte lesen. Ob dabei aber die Miniatur der Losungen eher nutzen oder schaden: Ich bin unsicher.  Grundsätzlich kann man ja lesen, was man mag. Allein: Das Konzept, davon auszugehen, dass ein geloster Text eine besondere Bewandnis für einen Tag habe, finde ich schon etwas »gewagt«.

Warum sollte Gottes Geist in dieser Weise die Ziehung der Texte leiten? Inwiefern passen die Losungstexte für alle? – Ich jedenfalls habe deutlich mehr offene Fragen als Antworten zu dieser Praxis, auch wenn ich einräume, dass ich selbst ein Losungsbüchlein mit mir herumtrage und auch lese.

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Fortgesetzter Paradigmenwechsel… https://www.nachfolge-postmodern.de/2020/03/14/fortgesetzter-paradigmenwechsel/ Sat, 14 Mar 2020 07:47:50 +0000 https://www.nachfolge-postmodern.de/?p=115 In den 1980er Jahren war »new age« ein Thema, besonders für traditionelle Christenmenschen ging es ganz wesentlich um einen Abwehrkampf gegen fernöstliche Mystik und einen Wandel moralischer Ordnungen. Der tiefer liegende Kern aber ist ein Bruch mit der Annahme der einen Welt und unserer Vorstellungen davon als realistisches Abbild. Vom »Zeitalter des Wassermanns« spricht niemand mehr, im […]

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In den 1980er Jahren war »new age« ein Thema, besonders für traditionelle Christenmenschen ging es ganz wesentlich um einen Abwehrkampf gegen fernöstliche Mystik und einen Wandel moralischer Ordnungen.

Der tiefer liegende Kern aber ist ein Bruch mit der Annahme der einen Welt und unserer Vorstellungen davon als realistisches Abbild.

Vom »Zeitalter des Wassermanns« spricht niemand mehr, im Gegenteil, die Ex-APO sind heute »Okay Boomer«, sie sind längst angekommen im Establishment.

Die Ambiguität macht sich als weitgehender Subjektivismus breit. Mit der Annahme eines Lebens in unterschiedlichen Welten sind wir längst angekommen in der Postmoderne.

Wenn wir unter diesen Umständen Katechese betreiben, dann kann und sollte das m.E. Nicht laufen wie in der Vormoderne. Denn es brächte mit sich, erst einen naiven Glauben (vermodern) zu vermitteln, der dann mehr und mehr erwachsen und aufgeklärt würde, um dann noch Fresh Expressions aufzusaugen und schließlich (hoffentlich) zu einem Glauben zu reifen, der der gereiften Persönlichkeit in einer Postmoderne entspräche.

Das wären jedoch weite Umwege zu einem Ziel. Geht es auch anders? Das können wir zu erproben versuchen, wenn Gemeinden nach Corona wieder zum Normalbetrieb zurückkehren. Derzeit geht kaum etwas. – Ich denke, dass das vielleicht nicht schlecht ist: Zumal in der Passionszeit. Innezuhalten, das hat ja auch etwas Positives.

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